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Keltische Fruchtbarkeitsfeste: Sommersonnenwende und Beltane

von Gabriela Stark

mit freundlicher Genehmigung des Mittelaltermagazins Miroque

 

Heutzutage tanzen wir in den Mai oder lassen am Blocksberg die Hexen auferstehen und feiern Walpurgisnacht. Gemeint ist damit die Nacht vor dem 1. Mai. Beide Themen gehen direkt auf das keltische Beltane-Fest zurück. Denn Beltane kommt von seiner Übersetzung aus dem Irischen „lá beltaine“ und bedeutet nichts anderes als 1. Mai. Ursprünglich war Beltane allerdings vermutlich nicht auf ein kalendarisches Datum festgelegt, sondern wurde zum Maivollmond gefeiert.

Das Feuerritual zu Beltane

Beltane gehört zu den ursprünglichsten Feuerfesten, bei denen große Holzhaufen angezündet wurden. So heißt es in den mythischen Texten Irlands: „Beltane, das Feuer Bels, die heilbringende Flamme ist ein Feuer, welches die Druiden durch ihre Magie oder ihre großen Zaubergesänge machen.“ Die Druiden entzündeten mächtige Feuer zwischen denen die Viehherden durchgetrieben wurden, um sie gegen Krankheiten zu schützen. Bels Feuer symbolisierte die Sonne, die jetzt immer stärker und heißer wird. In Irland war es Brauch, zunächst alle Feuer zu löschen und anschließend vom heiligen Feuer Bels, das symbolisch, rituell und gesetzlich für alle Feuer Irlands stand, die Feuerquelle neu zu entfachen. So nahm jeder von der Glut, um sein heimisches Herdfeuer mit der symbolischen Flamme Bels wieder zu entzünden. Die Menschen brachten sozusagen die göttliche Lebenskraft, Fruchtbarkeit und den Schutz vor Krankheiten direkt zu sich nach Hause.

Beltane und die Sinnlichkeit

Beltane ist ein uraltes Fest, das uns die Verbindung mit unserer Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit näherbringt und an dessen Ende die Vereinigung mit einem geliebten Menschen stehen kann, aber nicht muss. Es ist die Zeit der knisternden Frühlingsgefühle, des Aufbrechens und Erwachens der Natur. Beltane kann uns die Sinne rauben, wenn wir uns darauf einlassen. Beltane kann uns mit der Anderswelt in Verbindung bringen, die den Kessel der Inspiration über uns ausschüttet und uns mit neuen Ideen vertraut werden lässt. So können wir uns von einer Seite zeigen, die uns niemand zugetraut hätte. Es ist die Zeit, in der das Unmögliche möglich werden kann. Nicht umsonst heißt es: Alles neu macht der Mai. Beltane ist ein Fest der Sinne, der Ekstase und der Wildheit der Natur und genau so sollten wir seine Kräfte begreifen und sie uns zu eigen machen.

Ekstase und Visionen zur Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende hingegen ist das Fest der Ekstase und Visionen. Es wird am 21. Juni gefeiert, wenn die kürzeste Nacht und der längste Tag des Jahres stattfinden. Danach werden die Tage wieder kürzer und das Rad der Zeit dreht sich langsam auf den Winter zu. Das Fest der Sommersonnenwende wurde genauso lange gefeiert wie die Wintersonnenwende – nämlich zwölf Tage und zwölf Nächte. Da die Kirche dieses Fest nicht ersatzlos streichen konnte, musste Johannes der Täufer herhalten und das Fest wurde auf den 24. Juni gelegt. Seither nennen wir die Kräuter in dieser Zeit die Johanniskräuter, und das berühmteste davon, das Johanniskraut trägt direkt seinen Namen.

Der Sommernachtstraum

Dem Sommernachtstraum, der direkten Nahtstelle, in der Menschen zu den Göttern gelangen können, hat sich schon William Shakespeare in seinem bekannten Theaterstück „Der Sommernachtstraum“ gewidmet. Das Stück steckt voller erotischer Momente und kommt dem keltischen Brauchtum sehr nahe. Shakespeare lässt hier die Welt der Götter, Elfen und Menschen direkt verschmelzen und sich nach einer kurzen Nacht wieder auflösen.

Es galt, den Höhepunkt des Jahres zu feiern, Mutproben zu bestehen, seine/n Liebste/Liebsten zu umgarnen und Visionen zu erlangen. Ebenso ist dieses Datum der Höhepunkt in der Pflanzenvegetation. Man feierte die Sommersonnenwende in Nacktheit, sprang über das rituelle Feuer des Lebens und ging auch einfach unbekleidet auf das Feld um seine Arbeit zu erledigen. Dieses Fest war sozusagen der Beginn der Freikörperkultur.

Das Feuerritual der Sommersonnenwende

Die Sonnenwendfeuer sind legendär. Die Sommersonnenwende ist allerdings kein Feuerfest wie Beltane. Es wurde spielerischer mit dem Feuerelement umgegangen. So fanden Feuerläufe statt. Fackeln gab es keine, dafür wurden Königskerzenstängel in Pech getaucht und angezündet. Große Feuerräder wurden von den Hügeln gerollt, brennende Besen herumgewirbelt; der absolute Höhepunkt war der Sprung durchs Feuer selbst. Die Menschen glaubten, wer über das Feuer springe, könne sich von allen Krankheiten und allem Dunklen und Dämonenhaften befreien.

Die Druiden, die die heiligen Feuer entfachten, konnten auf magische Weise das Feuer beschwören, indem sie helle Blitze und Stichflammen erzeugten. Für diesen Zauber verwendeten sie die Sporen des Bärlapps (Lycopodium clavatum), denn diese sind sehr leicht entzündlich. Da der Kirch die Bärlappsporen, die wie Staub aussehen, unheimlich war, nannten sie sie Hexenmehl. Noch heute werden Bärlappsporen für die Pyro-Effekte in Filmen verwendet, da man in großer Menge mit ihnen wahre Explosionen hervorrufen kann. Ebenso verwenden die Feuerschlucker auf den Mittelaltermärkten Bärlappsporen für ihren Feuerzauber.

In das Feuer gab man zur Sommersonnenwende mächtigen Beifuß (Artemisia vulgaris), um die große Göttin zu beschwören, sich persönlich einzustellen. Die Asche der verbrannten Scheite der Sonnenwendfeuer gab man zu Schutzzwecken auf die Felder.

Aus Beifuß wurde auch der Zaubergürtel geflochten – der berühmte Zaubergürtel Megingjardr, den Thor, der Donnergott, von den Zwergen bekommen hatte. Mit diesem Gürtel konnte er seine Kräfte verdoppeln – nicht nur seine körperliche Kraft, sondern vor allem seine erotische Kraft. Die besondere Kraft des Beifußes funktionierte allerdings nur, wenn der Gürtel am Tag der Sonnenwende gebunden wurde.

Der Rausch der Sinne

Die Mittsommernachtszeit war ein Rausch der Sinne, eine Zeit des Liebens, des Rausches durch das viele Bier oder Met und der Visionen, die man erhielt. Nicht umsonst wurden die Starkbiere mit psychoaktiven Pflanzen wie Bilsenkraut oder Stechapfel versetzt, aber auch mit Eisenkraut (Verbena officinalis), denn das Kraut der Schmiede machte nicht nur die Schwerter scharf, sondern stand auch im Ruf, die Liebe anzufachen. So mischten es die Frauen den Männern in den Liebestrunk.

Die Nacktheit signalisierte einen heiligen Zustand, die Verbind zu den Ursprüngen. Die Pflanzenverbündeten stärkten die Ekstasefähigkeit und Hellsichtigkeit des Menschen. Die neun Welten des Weltenbaumes und die der Menschen von Midgard konnten verschmelzen. So entstanden wiederum neue Sagen und Legenden von sagenhaften Schätzen, von den Hallen der Zwergen und von den Elfenreichen am Wasser.

Es sind dieselben Visionspflanzen, die zur Wintersonnenwende zum Tragen kommen. Diese sind Beifuß, Habichtskraut, Holunderblüten, Mistel, Wacholderbeeren, Wermut und Ysop. Zu keiner anderen Zeit sind wir für die Anderswelt sensibler als zu diesen Nahtstellen im Jahr.

Die Kräuter der Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende ist auch der Auftakt zur ersten Kräutersammelzeit im Jahr, der Johanniskräuter, die am 24. Juni in voller Blüte stehen. Gesammelt wurden Johanniskraut, Kamille, Thymian, Beifuß, Arnika, Ringelblume und die Holunderblüten. Diese wurden getrocknet und zu Salben und Mazeraten verarbeitet.

Das bekannteste Mazerat ist das Johanniskrautöl. Die Herstellung ist ganz einfach: Geben Sie eine Handvoll frisch gepflückte Blüten in einen Mörser und zerreiben diese, anschließend in ein durchsichtiges Glas geben und mit ½ Liter gutem Öl (wie Olivenöl) auffüllen. Dieses Glas stellen Sie nun 3 – 4 Wochen auf die sonnigste Fensterbank, die sich finden lässt. Das Öl bekommt in dieser Zeit eine schöne rote Farbe – daher kommt auch der Begriff Rotöl. Anschließend in eine Braunglasflasche abfiltern und etikettieren. Ein solches Mazerat ist etwas ein Jahr haltbar.

Magische Kräfte

Die magischen Sonnenkräfte der Sonnenwendkräuter tragen hingegen auch heute noch ihr Licht in unsere Seele. Sie erheben uns, bringen uns mit unseren Kräften in Verbindung und lassen uns wohlfühlen. Selbst trübe Tage und Regen machen uns im Sommer nur wenig aus. Wissen wir doch, dass es in den Sommermonaten nur wenig braucht, um unser inneres Feuer zum Lodern zu bringen.

 

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Alraune Trennlinie

 

Quellen

Internet

Gabriela Stark – Sommersonnenwende – Ein Sommernachtstraum

Gabriela Stark – Beltane – Walpurgisnacht und Fruchtbarkeitszauber

Gabriela Stark – Johanniskrautöl und Hautpflege

Literatur

Wolf-Dieter Storl – Die Pflanzen der Kelten
AT Verlag
ISBN 978-38550270570

Christian Rätsch – Walpurgisnacht
AT Verlag
ISBN 978-03800-312-0

 

 

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