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Die Destillation ätherischer Öle


Destillieren ist nichts anderes, als das Subtile und Grobe voneinander zu scheiden,
das Zerbrechliche oder Zerstörliche unzerstörlich,
das Materialische unmaterialisch,
das Leiblich geistlich zu machen,
das Unleiblich leiblich zu behalten,

Hieronymus Brunschwig, 1551

Eine hohe Kunst - die Gewinnung ätherischer Öle

Wie kann man die winzigen duftenden Tröpfchen von den umgebenden Pflanzenteilen trennen?

Wie werden sie aufbewahrt? 

Die Kunst des Destillierens ist Jahrtausende alt. Es wurden Destilliergeräte gefunden, die auf ein Alter von 5.000 Jahren geschätzt wurden. In alter Zeit entstanden verschwenderische Duftkulturen, die aber immer wieder in der Geschichte untergingen. Durch die Kreuzzüge kamen die Essenzen und duftenden Wässer nach Europa und verbreiteten sich in der nördlichen Hemisphäre.

Im 16. Jahrhundert beschrieb Hieronymus Brunschwig in seinem Buch “Liber de arte distillandi de simplicibus" bereits 273 Pflanzenwässern, medizinische Indikationen und Anweisungen zur Therapie. Die Gewinnung von ätherischen Ölen war damals nicht gebräuchlich, man verwendete nur die Hydrolate und beließ das ätherische Öl darin. Mehr darüber lesen Sie in meinem Artikel “Die alchemistische Medizin” für das Mittelaltermagazin Miroque.

In den letzten Jahrhunderten kannte man nur über 100 ätherische Öle und deren medizinische Wirkweisen. Dieses Wissen wird erst heute wieder entdeckt, angewendet und von wenigen Aromatherapeuten medizinisch praktiziert. Viele Neuentdeckungen, wie z.B. das ätherische Palo Santo-Öl , Lotus oder Frangipani sind erst seit wenigen Jahren auf dem Markt erhältlich.

Mit folgenden Verfahren werden ätherische Öle gewonnen:

Die Wasserdampf-Destillation

Die gebräuchlichste Art zur Gewinnung ätherischer Öle ist die Wasserdampf-Destillation, die bis heute zu den wirtschaftlichsten Herstellmethoden gehört. Hiermit wird der größte Teil der ätherischen Öle  gewonnen.

Es hat keinen Einfluss auf die Qualität des Dufterlebnisses, ob das ätherische Öl in einer einfachen Felddestille, die in einem offenen Schuppen steht, gewonnen wird oder in einer großen modernen Destillationsanlage. Denn dies allein hängt vom Wissen, handwerklichen Könnens und der langjährigen Erfahrung des Destillateurs im Umgang mit dem Pflanzenmaterial ab. Da jede Pflanze unterschiedliche Ansprüche zur Dauer der Destillation und Vorbereitung des Pflanzenmaterials mit sich bringt. Eine Übersicht über Destillationszeiten einzelner ätherischer Öle finden Sie in Eliane Zimmermanns Fachbuch der Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe.

Bei der Wasserdampf-Destillation werden die vorbereiteten Pflanzenteile in einem Behälter (Alambique) auf einen Rost gelegt und darunter wird Wasser erhitzt. Der sehr heiße Wasserdampf steigt auf und löst die ätherischen Öle aus den Pflanzen heraus. Sie steigen mit dem Dampf auf und gelangen in ein gekühltes Rohr, wo der Dampf kondensiert und sich ätherisches Öl und Wasser wieder trennen.

Die beiden Flüssigkeiten werden in einem zweiten Kessel, dem sogen. Florentiner Topf aufgefangen. Den Florentiner Topf gibt es in zwei Ausführungen mit einem  Zapfhahn, der oben oder unten sitzt. Denn das ätherische Öl ist nicht immer leichter als Wasser, es kann auch schwerer sein. Also schwimmt das ätherische Öl als Schicht auf oder unter dem Wasser. Über den Zapfhahn wird das ätherische Öl dann dem Florentiner Topf entnommen.

Das aufgefangene Wasser wird meist in den Destillationskreislauf rückgeführt und so lassen sich besonders schöne Hydrolate gewinnen. Denn diese haben den Destillationsvorgang einer Pflanze mehrmals erlebt und sind dadurch sehr gehaltvoll an wertvollen Inhaltsstoffen.

Eine kleine Besonderheit ist die Leonardo, eine kleine Destille für den Hausgebrauch, die sich direkt von Plänen Leonardo da Vinci ableitet. Wenn Sie also einen Garten und Duftpflanzen in großer Menge besitzen, dann können Sie damit Ihr eigenes ätherisches Öl und Hydrolat herstellen. Weitere Informationen über die Leonardo, das Destillieren von ätherischen Ölen und auch Destillier-Seminare finden Sie unter www.aetherischesoel.at

Die Co-Destillation

Bestimmt haben Sie schon von Duftspezialitäten, wie Algen-, Brennnessel-, Heu-Essenz oder die Wiesenkönigin (Mädesüß) gehört oder kennengelernt. Aus diesen Pflanzen lassen sich normalerweise keine Düfte gewinnen. Aber bei der Co-Destillation werden sie mit einer anderen Pflanze zusammen per Wasserdampf destilliert. So lässt sich ein feines Dufterlebnis gewinnen, dass die Trägerpflanze, wie z.B. Rosmarin oder Zeder mit dem zarten Duft einer Alge oder den Heublumen verbindet.

Die Kaltpressung

Mit dieser Methode werden die Zitrusfrüchte gewonnen. Dabei fällt das ätherische Öl in der Regel bei der Saftproduktion (z.B. Zitronen- und Orangensaft) an. Bereits während der Fruchtsaftproduktion wird das ätherische Öl gewonnen. Dabei gibt es zwei Mögllchkeiten, die alle beide bereits automatisch in den Produktionsablauf der Saftgewinnung eingebunden sind:

  1. Vor der Saftpressung wird die Schalenoberfläche mit Messern angeritzt. Das austretende ätherische Öl wird mit Wasser abgesprüht; die anschließende Zentrifugierung trennt Wasser vom ätherischen Öl.
     
  2. Nach der Saftpressung der Zitrusfrucht werden die übrig gebliebenen Schalen gepresst und mit Wasser vermischt; aus diesem Öl-Wasser-Ge-misch wird durch Zentrifugieren das ätherische Öl gewonnen.

Nach diesen beiden Methoden kommt aber noch eine dritte Produktion zustande. Denn die restlichen Fruchtrückstände, die ja bereits zweimal kalt ausgepresst wurden, werden jetzt noch einer Wasserdampf-Destillation unterzogen. Hier erhält die Industrie ihren preisgünstigen Rohstoff für Möbelpolituren oder Lackverdünner. Aber lassen Sie sich nicht täuschen, solche Öle finden ebenso ihren Weg in den Handel und werden als hochwertiges ätherisches Öl zur Aromapflege und -therapie angeboten. Aus diesem Grund muss man auf die Angaben zur Gewinnung achten oder beim Händler nachfragen. Denn steht im Angebotstext Wasserdampf-Destillation, dann handelt es sich um ein Zitrusöl, das aus den letzten Resten der Produktion gewonnen wurde. Und ein solches Öl taugt nicht mehr zur Gesunderhaltung.

Bei Zitrusölen ist eine Trübung durch die natürliche Wachsanteile möglich und somit ein besonderes Qualitätsmerkmal für naturbelassene Qualität. Die kaltgepressten Zitrusöle sollten möglichst kühl und besonders lichtgeschützt aufbewahrt werden. Sie haben nur eine begrenzte Haltbarkeit von ein bis zwei Jahren.

Wer Wert auf Qualität legt, sollte Zitrusöle nur aus kontrolliert-biologischem Anbau kaufen. Warum das so wichtig ist, lesen Sie im Artikel “Ätherische Öle bewusst kaufen” unter dem Punkt Der Anbau der Pflanze.

Extraktion

Unter der Extraktion versteht man die Herstellung ätherischer Öle mit einem Lösungsmittel. Solche verwendeten Lösungsmittel können Alkohol, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Methanol oder Hexan sein. Das Besondere an dieser Methode ist, dass nicht nur ätherische Öle herausgelöst werden, sondern auch Farbstoffe und Wachse mit in den Duft übergehen. Diese Moleküle sind sehr schwer und fehlen bei der Wasserdampf-Destillation, da sie im Dampf nicht mit aufsteigen können.

Extrakte sind immer sehr duftintensiv, runder und harmonischer als die Wasserdampf-Variante. Und sie unterscheiden sich deutlich im Duft voneinander. So gibt es eklatante Duftunterschiede z.B. zwischen Neroli und Orangenblüten Absolue gewonnen aus den Bitterorangenblüten. Wenn ich Seminarteilnehmer in meinen Seminaren diese Düfte riechen lasse, dann ist das Erstaunen immer wieder sehr groß, dass diese beiden Düfte tatsächlich aus ein und derselben Blüte stammen.

Bekannte Extrakte sind Vanille, Kakao oder Honigwaben.

Extraktion von Blüten Absolues

Ein Blüten Absolue wird ebenso mit der Extraktionsmethode gewonnen. Die Besonderheit ist hier allerdings, dass man dazu immer ein chemisches Lösungsmittel benötigt. Meist wird dazu Hexan verwendet. Denn die kostbaren Blüten geben mit Alkohol als Lösungsmittel ihren wundervollen Duft nicht frei. Ohne die Chemie gäbe es kein ätherisches Jasminöl. Dieser Duft ist erst preisgünstig geworden, seit man die chemischen Lösungsmittel verwendet. Vorher konnte man das Jasminöl nur per Enfleurage gewinnen.

Eine Extraktion der Blütenöle nur mit Alkohol als Lösungsmittel ist nicht möglich, da die Blüten ihre wundervollen Duftstoffe im Alkohol nicht abgeben. Es wird also Chemie benötigt, auch wenn manche Hersteller, dass nicht so deklarieren, sondern bei ihren Absolues nur Alkoholextraktion angeben. Dies passiert aus zwei Gründen, der Verbraucher wiegt sich vor der Chemie in Sicherheit und das verwendete Lösungsmittel muss nicht deklariert werden, ebenso wenig ob das Produkt auch rückstandsfrei ist, also das Lösungsmittel vollständig entfernt wurde.

Bei der Extraktion von Blütenölen werden die Blüten in den Extraktionsbehälter gegeben. Dieser wird mit dem chemischen Lösungsmittel aufgefüllt und anschließend erwärmt, dadurch lösen sich die Duft- und Farbstoffe und Wachse aus den Blüten. Das Lösungsmittel wird nach Dauer des Auszuges erst abgelassen und anschließend abgedampft. Das Ergebnis ist eine Pomade, also salbenartige Masse, dessen Fachbegriff das Concrete ist.

Um jetzt das Absolue aus dem Concrete zu gewinnen, wird wieder ein Lösungsmittel zugesetzt. Dies ist in diesem Schritt meist Alkohol. Der Alkohol hat die Aufgabe, die ganz festen Stoffe aus dem Concrete herauszufiltern. Das verwendete chemische Lösungsmittel ist in diesem Schritt noch enthalten und wird erst jetzt mit dem Alkohol zusammen abdestilliert. Dabei sollte auch das chemische Lösungsmittel vollständig entfernt werden, was aber nicht immer der Fall ist. Entscheidend ist hier eine Rückstandskontrolle des Herstellers. Das Absolue ist meist in zähflüssigem Zustand und hat eine wesentlich dunklere Farbe als ein Duft aus der Wasserdampf-Destillation.

Viele Firmen bieten Verdünnungen von Absolues an, z.B. Jasminöl 4 % oder Rosenöl 10 %. Hier wird das Absolue mit Weingeist verdünnt, um es aus dem Fläschchen tropfbar zu machen. Eine solche Verdünnung ist für die Raumbeduftung absolut ausreichend.

Resinoid-Herstellung

Dies ist der Fachbegriff für die Harze. Bei der Verarbeitung duftender Harze, wie z.B. das Weihrauchöl, werden die Duftstoffe von den fast geruchlosen, schwer flüchtigen Anteilen aus dem Harz gelöst. Das Harz wird mit chemischen Lösungsmitteln oder Alkohol angesetzt, erhitzt und gerührt. Das ätherische Öl löst sich, die Lösungsmittel werden wieder abgedampft.

Enfleurage

Die Enfleurage ist ein Verfahren, welches heute nicht mehr kommerziell angeboten wird. Vor vielen Jahren hatte die Fa. Primavera ein Jasminöl aus Enfleurage-Gewinnung im Sortiment, wo 1 ml 100 EUR kostete.

Allerdings lohnt ein Selbstversuch auf jeden Fall! Alles was Sie benötigen sind Blüten in Hülle und Fülle. Am Mittelaltermarktstand der Duftmanufaktur Wiegner kann man in blütenreichen Sommern die Enfleuragetechnik bestaunen und feststellen, dass der Geruch des Schweineschmalzes von dem wundervollen Blütenduft vollkommen überdeckt wird.

Enfleurage selbst machen

Für den Selbstversuch reicht eine große Glastortenplatte aus. Professionell werden die Blüten auf große Röste oder Glasplatten gelegt. Die Glasplatte wird mit dem tierischen Fett, meist Schweineschmalz, 1 cm hoch bestrichen. Darauf werden dann die frisch gepflückten Blüten einzeln nebeneinander in das Schweineschmalz gedrückt. Diese lässt man über Nacht darin liegen und entfernt sie am nächsten Tag. Dann gibt man neue Blüten in das Schweineschmalz. Diese Prozedur wird solange wiederholt, bis das Fett mit ätherischem Öl gesättigt und zur sogen. Pomade geworden ist. Aus der so gewonnen Pomade lassen sich bereits wundervolle Duftsalben herstellen.

Anschließend wird die Pomade mit Alkohol oder einem anderen Lösungsmittel extrahiert. Wie man diesen Vorgang für den Hausgebrauch ersetzen kann und welche Alternativen sich zu tierischen Fetten anbieten, erfahren Sie hier!

Ein ganz neues Verfahren die CO 2 - Destillation

Mit der CO 2 - Destillation lassen sich sehr hochwertige ätherische Öle gewinnen. Ihr Duft entspricht dem der Ausgangspflanze, so wie wenn man seine Nase in die Blüte steckt um ihren wundervollen Duft zu riechen.

Ermöglicht wird dies durch eine Extraktion mit Kohlendioxid (CO 2), die mit sehr hohem Druck und wenig Temperatur die Duftstoffe aus dem Pflanzenmaterial herauslöst. Wird danach der Druck verringert, verflüchtigt sich das CO 2 als Lösungsmittel vollständig.

Interessant ist was Prof. Dr. Dr. Dietrich Wabner in seinem Buch “Aromatherapie” auf Seite 23 dazu schreibt: “Es ist allerdings das einzige Herstellungsverfahren, dass die Chance bietet, eine evtl. Belastung durch Pflanzenschutzmittel zu beseitigen. Aus der CO 2-Lösung können belastete Stoffe durch fraktionierte Destillation entfernt werden.”

Der Nachteil der CO 2-Destillation liegt darin, dass die so gewonnenen ätherischen Öle sehr teuer sind. Da sich mit speziell diesen Destillationsapparaten nur geringe Mengen an ätherischem Öl gewinnen lassen. 

 

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