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Die Rose - eine Königin unter den Düften

von Gabriela Stark

mit freundlicher Genehmigung des Mittelaltermagazins Miroque

 

Die Rose muss man nicht beschreiben. Sie ist wohl die einzige Pflanze der Welt, deren Bild vom Aussehen und ihrem Duft wie von allein in unserem Gedächtnis erscheint. Ihre Symbolik erzählt von Liebe - der erotischen, der romantischen und der spirituellen Liebe. Viele Dichter aus allen Kulturen und Zeiten haben ihrer Schönheit Poesie geschenkt, und keine andere Pflanze hat über Raum und Zeit so viel Verehrung erfahren.

Dabei liegen die Anfänge tief verborgen in der Geschichte unserer Zeit. Wann die erste Rose von Menschen wahrgenommen oder kultiviert wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Es wurden Rosenspuren gefunden, die über 25 Millionen Jahre alt sind, und in China wurden bereits vor über 5.000 Jahren Rosensorten gezüchtet. Wandmalereien, Fresken und Münzmotive mit Abbildungen der Rose weisen auf die hohe Verbreitung der Pflanze bereits in biblischen Zeiten hin.

Eine erste detaillierte botanische Beschreibung von Rosenkulturen, Rosenzucht und Vermehrung aus Samen im antiken Griechenland übermittelt uns Theoprast (372 - 287 v. Chr.). Natürlich findet sich die Heilwirkung der Rose in der berühmten “Materia Medica” von Dioskurides. Und Plutarch (46 - 120 n. Chr.) empfahl bereits, Knoblauch zwischen die Rosenstöcke zu pflanzen, um Schädlinge abzuhalten und den Duft zu intensivieren.

Rosengeschichten

In allen antiken Kulturen hatte die Rose Kultstatus, aber im Römischen Reich gelangte sie in den Dufthimmel - genau wie Weihrauch und Myrrhe. Es gab kein Fest ohne Rosenduft. Die Gäste wurden mit Rosenblüten überschüttet, mit Rosenwasser besprengt, mit Rosenduft gesalbt, und es sind Gelage überliefert, wo sich die Rosenblüten einen halben Meter hoch über dem Fußboden auftürmten. Mit dem Niedergang des Römischen Reiches war auch die Blütezeit der Rose vorerst beendet.

Dafür sorgten die ersten Christen. Sie verboten die Rose bei christlichen Festen, denn die Pflanze wurde in diesen Zeiten mit Fülle, Überfluss, Exzentrik und erotischen Begegnungen der heidnischen Bevölkerung assoziiert und stand daher für den Gegensatz zum Christentum.

So fiel die Rose über einige Jahrhunderte in einen Dornröschenschlaf und erwachte erst wieder im Frühmittelalter. Den Siegeszug begann die Hundsrose mit der Einführung der “Capitulare de Villis” 812 n. Chr. unter Karl dem Großen. Ein Jahr später bekam die Rose - wie viele andere einheimische Pflanzen ebenso - den Kultstatus des Christentums verliehen: Sie wurde zur Marienpflanze. Im Zuge der Heiligenverehrung Marias wurde sie zu einem Sinnbild der Heiligkeit, der Reinheit, des Leidens, des Martyriums und des inneren Friedens.

Die weiße Rose ist als “weiße Rose von York” in die Geschichte eingegangen. Sie war das Wappenemblem des englischen Adelshauses von York, das sich einen jahrelangen Krieg mit dem Adelshaus von Lancaster lieferte, das eine rote Rose im Wappenemblem trug. Bekannt wurden diese Auseinandersetzungen als Rosenkriege.

Dabei ist gerade die weiße Rose eine kostbare Duftrarität. Ihr eleganter, heller und üppiger Rosenduft ist nur ganz selten erhältlich. Dies liegt daran, dass sie für die Ölgewinnung kaum noch kultiviert wird und ihre Ölausbeute um die Hälfte geringer ist als die der anderen Rosensorten. Die wenigen Erträge werden deswegen fast komplett an die europäischen Königshäuser verkauft.

Einfache Rosenrezepte

Sowohl in antiken als auch in mittelalterlichen Zeiten war die Rose ein Heilmittel von großer Kraft. Die Rosa Gallica ist als Essigrose oder Apothekerrose bekannt. Der Name “Essigrose” kommt daher, dass mit ihr Essig aromatisiert wurde. Dieser diente nicht nur zur Verfeinerung der Küche, sondern war ein bewährtes Mittel für Einreibungen, Abwaschungen und für die Schönheitspflege.

Rosenessig stellen Sie einfach selbst her, indem Sie 4 - 5 voll erblühte Duftrosen in eine Flasche geben und mit einem Liter Apfelessig übergießen. Die Flasche eine Woche lang an einem kühlen und dunklen Ort ruhen lassen und danach abfiltern. Rosenessig eignet sich für die Aromaküche und für Abwaschungen und ist eine wunderbare Spülung nach dem Haarewaschen.

Die älteste Methode zur Duftherstellung ist die Enfleurage. Bei der Enfleurage werden die Rosenblüten auf eine Glasplatte mit Fett nebeneinander gelegt. Dabei werden tierische Fette wie Talg oder Schmalz verwendet. Die Rosenblütenblätter werden in das Fett gedrückt, am nächsten Tag abgenommen und durch neue Blütenblätter ersetzt. Diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis das Fett mit den ätherischen Ölen der Rose gesättigt ist. Dies war die Grundlage für mittelalterliche Rosensalben.

Nach dem gleichen Prinzip können Sie eine duftende Rosenbutter für die Aromaküche herstellen. Dazu nehmen Sie 250 g Butter und drücken die abgezupften Rosenblütenblätter rundherum hinein. In Alufolie einwickeln und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag die Blütenblätter abnehmen und durch neue ersetzen. Nach einigen Tagen erhalten Sie eine mit Rosenduft parfümierte Butter, die noch dazu sehr gut schmeckt.

Die Rosenölgewinnung

Die Wasserdampfdestillation von ätherischen Rosenölen wird im 9. Jahrhundert den Persern zugeschrieben. Der Arzt und Gelehrte Avicenna verfasste ein eigenes Buch über die Heilwirkungen der Rose. Und 961 n. Chr. gab es bereits eine größere Rosenölproduktion in Spanien.

Der Arbeitsaufwand für selbst hergestelltes ätherisches Rosenöl ist gigantisch. Allein für die Herstellung von 1 Liter Rosenöl benötigt man 4.500 Kilo frisch gepflückter Rosenblüten und 800 Arbeitsstunden. 30 voll aufgeblühte Rosenblüten ergeben einen Tropfen ätherisches Rosenöl. Der momentane Literpreis bei Rosenöl liegt je nach Rosensorte zwischen 8.000 - 12.000 EUR. Das bedeutet, dass der Einkaufspreis für 1 ml Rosenöl bei 8,00 EUR liegt - und das ohne Verpackung, Etikettierung, die Arbeitszeit zum Abfüllen und die Handelsspanne. Aus diesem Grund gibt es häufig snythetische Rosenöle (selbstverständlich als 100 % naturreines ätherisches Öl deklariert) im Handel.

Da die Qualität der angebotenen Düfte auf Mittelaltermärkten extrem schlecht ist, gilt als Kaufkriterium für echtes Rosenöl: Es wird nicht in durchsichtigen Fläschchen oder Kunststoff angeboten, sondern in dunklem Glas. Ätherische Öle sind überaus lichtempfindlich und können in durchsichtigen Fläschchen schnell verderben. Der botanische Name der Rosensorte und der Name des Herkunftlandes müssen aufgedruckt sein, ebenso die Herstellungsmethode.

Rosenöle werden durch zwei Verfahren gewonnen: Bei der Wasserdampf-Destillation erhält man das Rosenöl, bei der Hexan-Extraktion das Rosen Absolue. Bei der Extraktion wird immer das chemische Lösungsmittel Hexan verwendet. Einige Anbieter umgehen jedoch die Deklaration des Lösungsmittel und schreiben einfach Alkohol-Extraktion auf das Etikett, da mit dem Alkohol im Herstellungsprozess das Hexan abgedampft wird. Nur mit Alkohol lässt sich aus Rosenöl kein Duft gewinnen, übrigens auch nicht aus Jasminblüten. Eine solche Deklaration hat zwei Gründe: Dem Verbraucher wird verschwiegen, dass ein chemisches Lösungsmittel verwendet wurde, und der Hersteller spart sich die Analyse eventueller Hexanrückstände.

Rosenölanwendungen

Rosenöl ist ein wunderbares Parfum. Geben Sie 1 Tropfen Rosenöl in 100 ml Mandelöl und Sie erhalten ein wunderbares Massageöl. Es eignet sich auch als Babymassageöl für die Allerkleinsten. Damit sich der Duft entfaltet, muss er allerdings einige Wochen reifen; denn ein Fehler ist es hier, so manchem gut gemeinten Rat zu folgen und 6 - 7 Tropfen Rosenöl (oder mehr) in ein Massageöl zu geben. Das hat den Erfolg, dass dieses Körperöl nach drei Wochen als unerträglich duftend empfunden wird und Kopfschmerzen verursacht. In diesem Fall hilft nur noch das weitere Verdünnen mit fettem Öl.

Bei vielen Beschwerden ist Rosenöl hilfreich und gehört trotz des hohen Preises in die ätherische Hausapotheke. Es wirkt antiviral, entkrampfend, beruhigend, entzündungshemmend und wundheilend und hat eine große Bandbreite an Einsatzgebieten. Bei allen Hauttypen können Sie zur Hautpflege in die entsprechende Mischung 1 Tropfen Rosenöl zugeben.

Rosenöl ist in letzter Zeit allerdings auch in die Kritik geraten, krebsauslösend zu sein. Vorausgegangen war ein Laborversuch, bei dem Versuchstieren synthetisches Methyl-Eugenol in hoher Dosierung intravenös gespritzt wurde. Die Tiere erkankten daraufhin an Magen-Darm-Krebs. Methyl-Eugenol ist ein Inhaltsstoff im Rosenöl, der zu 3 % vorkommt. Prof. Dr. Dr. Dietrich Wabner von der TU München hat einen wunderbaren Vergleich dazu in einem Interview gegeben: “Nehmen Sie Estragol, den wichtigsten Stoff im Basilikum. Wir haben nachgerechnet: Mit einer Portion Spagetti mit Pesto überschreitet man den empfohlenen Höchstwert für die tägliche Estragolmenge um das Dreihundertfache. Da müsste ganz Italien schon an Krebs gestorben sein.”

Rosenräucherungen

Duftende Rosenblütenblätter eignen sich auch zum Verräuchern. Dabei entfalten sie einen zarten, warmen Rosenduft, der sich gut mit Kräutern, Harzen und Hölzern verbindet. In einem Atemzug mit Rosenrauch wird der griechische Rosenweihrauch genannt. Diese fertige Räuchermischung enthält kein echtes Rosenöl, sondern nur billigste Chemie, auch wenn der nette Händler sicher etwas anderes meint.

Wenn Sie diesen Duftweihrauch mögen, dann mahlen Sie Weihrauch von guter Qualität und die Rosenblütenblätter in gleichen Teilen zu Pulver, damit sparen Sie sich überflüssige Trägerstoffe. Geben Sie anschließend 10 Tropfen echtes 10 %iges Rosenöl daran. Die Mischung lassen Sie trocknen und anschließend verräuchern. Der Unterschied zwischen einem synthetischen und echten Rosenduft wird Ihnen sofort auffallen.

Rosendüfte sind Verführung pur, sie berühren unser Herz und öffnen unsere Sinne. Ob Rosenmarmelade, ein sanftes Rosenbad oder eine wunderbare Rosenmassage - lassen Sie sich von der Königin der Düfte verführen.

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Alraunelinie

Quellen

Internet

Gabriela Stark:
Rose - Ätherisches Öl und Anwendung

Literatur

Broschüre:
Das Rosenbrevier - Rose für die Sinne
Primavera