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Duftsymbolik, Geschichte und Mythologie der Pflanzen im römischen Reich

Salve, ihr Leute zu Trier! Ich möchte Sie recht herzlich zu meinem Vortrag Duftsymbolik, Geschichte und Mythologie der Pflanzen im römischen Reich begrüßen. Bestimmt hat sich der Eine oder Andere von Euch gefragt, was Düfte mit der römischen Geschichte zu tun haben. Denn heute sind Düfte allgegenwärtig, alltäglich und eigentlich nichts Besonderes mehr. Aber früher waren duftende Pflanzen eine begehrte Handelsware, ein kostspieliger Luxus der Reich von Arm trennte und aus denen man Salben, Parfums, Räucherwerk und medizinische Produkte herstellte.

Das römische Reich eroberte sich die schönen Düften während ihrer Feldzüge von anderen Kulturen wie Ägypten oder Griechenland. Dort gab es schon längst eine ausgiebige Duftkultur. In der frühen römischen Kultur gab es keinen Duft und keine Schönheitsmittel. Und so gibt es vor dieser Zeit nur ganz wenige Duftüberlieferungen. Diese waren bescheidene Opfergaben von Kräutern, wie Wacholder, Lorbeer, Salbei und Thymian, die als Räucherwerk für die Götter verwendet wurden und Verbenensträuße hängte man über der Tür auf, um den bösen Blick fernzuhalten. Die bekannten Duftstoffe wie Weihrauch, Myrrhe oder Labdanum waren gänzlich unbekannt.

Vermutlich stammt der erste sinnliche Dufteindruck von den Etruskern, die bereits über Myrte, das kretische Labdanum, Ginster, Pinienharz und arabischen Weihrauch verfügten. Aber schon nach der Ausdehnung des römischen Reiches in Richtung Vorderer Orient imitierten die Römer den luxuriösen Lebensstil der Griechen. Im 2. Jahrhundert v. Chr. gab es nur einen bescheidenen Gebrauch von Weihrauch und Myrrhe, aber 100 Jahre später führte Rom 3.000 Tonnen arabischen Weihrauch und 600 Tonnen Myrrhe ein. Und Plinius überliefert uns, dass die Kosten für jährliche Duftimporte nur aus Indien und Arabien 100 Millionen Sesterzen überstiegen. Das sind nach heutiger Rechnung ca. 2,5 Millionen Dollar.

So kannten die Römer bereits die indischen Pflanzen, wie Cardamom, Muskatnuss, Ingwer, Pfeffer, Zimt, Narde, Patchouli, Adler- und Sandelholz und den tierischen Duftstoff Moschus. Den südarabischen Händlern war auch schon das Benzoeharz bekannt, obwohl das aus Vietnam und Siam kommt. Man vermutet, dass es seinen Weg durch Karawanen aus Indien fand. In Syrien angekommen, wurde die wertvolle Ware durch die Phönizier vertrieben. Die einheimischen verwendeten Pflanzen waren Rosenblüten, Iris, Quitte, Narzisse, Jasmin und die Kalmuswurzeln. In den Schriften von Plinius finden wir allein eine Aufzählung von 85 unterschiedlichen Pflanzen, die nur zur Parfumherstellung genutzt wurden.

Dazu muss man wissen, dass vergleichsweise das germanische Reich ein ziemlich duftverwaister Raum war. Denn Kelten und Germanier nutzten zwar viele der einheimischen Pflanzen, aber die wunderschönen Duftbringer, wie Rose oder Thymian, kamen erst durch die Landbauverordnung "De capitalis villis" durch Karl des Großen 812 n. Chr. in unseren Raum.

Aber erstmal mit der Sucht "Düfte" infiziert, entstand im römischen Reich und vor allem in Rom ein unglaublich verschwenderischer Umgang mit duftenden Pflanzen. Auch Kriegsbeute bestand aus duftenden Pflanzen und römische Zenturien und ausgezeichnete Söldner bekamen einen Teil ihres Soldes in Duftstoffen ausbezahlt und das war eine ganz besondere Auszeichnung. Denn Duftstoffe waren rar und sehr teuer. Ein normaler Bürger in Rom konnte sich das nicht leisten. Stellen Sie sich das in die heutige Zeit übertragen vor, sie bekämen für einen Teil ihres Gehaltes Weihrauchharze oder eine kleine Amphore Salböl?

Zu den wichtigsten Aromata gehörte in der Antike der Duft der majestätischen Zeder. Damals gab es sie noch: die berühmte Libanon-Zeder (Cedrus libani). Heute gibt es nur noch einen Baumbestand von ca. 400 Bäumen, die bis zu 2.500 Jahre alt sind und die unter Naturschutz stehen. Und bereits in der Antike gab es die ersten Umweltschützer, die vor Umweltschutzproblemen warnten. So ist überliefert, dass Hesekiel bereits 590 v. Chr. in dramatischer Weise vor dem Raubbau an den Zedernwälden und seinen Folgen gewarnt hat. Genutzt hat es allerdings sehr wenig.

Die Zeder

Heute gibt es vor allem den Duft der Atlaszeder zu erforschen. Leider wird in der heutigen Zeit vieles als Zeder deklariert, was sich dann doch nicht als feiner Zedernduft entpuppt. Denn meist werden Zypressenarten als Zedern ausgegeben, die aber in Duft und Wirkung sich deutlich von der Zeder unterscheiden:

Holz war aber nicht nur ein begehrter Duftstoff, sondern vor allem Bauholz, aus denen Häuser, Schiffe und Tempel gefertigt wurden. Bei den Griechen und Römern wurden die Eingangspforten und Dächer der Tempel aus Zypressenholz gefertigt. Auch die Türen des Petersdom in Rom sind aus Zypressenholz und zeigen auch nach 1.200 Jahren keinerlei Zeichen der Vergänglichkeit, darauf weist auch sein botanischer Name “sempervirens” – ewig lebend hin. Gerade die Zypresse gilt seit dem Altertum in vielen Kulturen als Symbol der Trauer und des Todes. So betrauerte Venus (bei den Griechen Aphrodite) den Tod ihres Geliebten Adonis durch Tragen eines Zypressenkranzes. Der Handel von Produkten der Libanon-Zeder und verwandter Hölzer wurde durch die Phönizier über den legendären Hafen von Byblos an der syrischen Küste abgewickelt.

Einer der bedeuteten damaligen "Industriezweige" war die Herstellung von kostbaren Salben, Ölen und Räucherwerk, die in alle antiken Zentren exportiert wurden. Es war nicht nur ein lukratives Geschäft, das ganze Schiffsladungen mit duftendem Inhalt füllte, sondern auch die Machthaber verdienten kräftig mit, indem sie Zölle und Steuern auf Pflanzen und kosmetische Präparate erhoben. Und so wie heute ein ganzer Industriezweig die Parfumindustrie mit kostbaren Flakons versorgt, verdienten sich damals Künstler mit der Anfertigung kostbarer Glas- und Alabastergefäße. Dabei muss man auch berücksichtigen, dass ein Pfund Salbe mehr als vierzig Tageslöhne eines Landarbeiters kostete.

In den ägyptischen Tempeln wurden nicht nur Salböle und religiöses Räucherwerk hergestellt, sondern es entstanden auch erste Laboratorien, die die ersten Fertigprodukte an kosmetischen Mitteln herstelllten und diese über phönizische Händler über die Hafenstadt Alexandria in den gesamten Mittelmeerraum zu Griechen und Römern exportierten. Den Höhepunkt der ägyptischen Parfum- und Kosmetikherstellung wurde unter Kleopatra erreicht. Bei der historischen Begegnung mit ihrem Geliebten Marcus Antionius an den Ufern des Cydnus, ließ sie die Segel ihres Schiffes in kostbare Parfums tauchen, um olfactorisch ihre Ankunft anzukündigen.

Der Styrax

Styrax war einer der begehrtesten ägyptischen Pflanzenstoffe und Hauptbestandteil der meisten kosmetischen Produkte, die in Ägypten hergestellt wurde. Aber es ist nicht das, was viele Händler heute beschreiben: mit flüssigem Styrax getränkte Holzkohle. Das Harz tritt nach Verletzen des Stammes flüssig heraus und unterliegt an der Luft einer raschen Polymerisation und bildet danach eine klebrige, aber feste Masse. Nach der Ernte wird der Styrax in kochendes Wasser gegeben und gepresst. Zurück bleiben feine schwarze Späne, die wundervoll balsamisch, würzig und süß duften.

In der Antike war Styrax einer der wichtigsten Räucherstoffe, der von Mesopotamien aus durch die Phönizier ins ägyptische, griechische und römische Reich exportiert wurde. Wie in Ägypten war er auch in Mesopotamien ein Festduft, mit dem man besonderen Tagen einen würdigen Duft verleihen wollte. Nach dem Papyrus Ebers nannten die Ägypter ihn "miniaki", was Festduft bedeutet und so fand er sich auch in vielen Balsamen und Parfums wieder. Im Zauberpapyrus Abrasax (4 Jh. n. Chr.) wird er unter den wohlriechenden Räucherstoffen aufgeführt und dort als Mittel für den Tiefschlaf empfohlen.

Styrax galt im antiken Ägypten als Duft der Göttlichkeit. Die Ägypter glaubten, dass er eine Flüssigkeit der Sonne war und das Auge des Horus darstellt. Er gehörte zu den heiligen Räucherzutaten, die Moses beim Auszug aus Ägypten mitnahm und deren Räuchermischung Moses von Gott übermittelt bekam. Herodot schreibt, dass sich die geflügelten Schlangen, die sich in den Weihrauchbäumen aufhalten, nur mit Styraxräucherungen vertreiben lassen.

Styrax wurde im Altertum zu kultischen Riten verwendet und war einer der Haupträucherstoffe für die dunkle Göttin Hektate, der Herrin aller Hexen und Zauberinnen und Göttin der Zauberpflanzen und Giftgewächse. Nach Hesiod war Hektate die Tochter der Titanin Asteria, deren Priesterinnen und Dienerinnen dem griechischen thessialischen Hexenkult dienten, der sich aus Griechenland kommend in der gesamten antiken Welt verbreitete. Hektate war berühmt für ihren Zaubergarten und wurde in der Spätantike von Frauen als Orakelgöttin angerufen. Dazu wurde Styrax, mit anderen Räucherstoffen, als magisches Räuchermittel verwendet.

Die Herstellung antiker kosmetischer Salben und Öle

Aber zurück zu den Salben und Ölen, denn auch die ausgiebige Schönheitspflege wurde von den Griechen übernommen und erreichte in Rom ihren glanzvollen Höhepunkt. Spezialisierte Sklavinnen, cosmetae genannt, behandelten die Römerinnen mit kostbarsten kosmetischen Produkten, die man auch schon fertig hergestellt aus Äygpten, Persien und Kreta bezog. In den Thermen konnte der Römer nicht nur baden und relaxen. Kostbarste Essenzen und Räucherwerk wurde über den Gästen zerstäubt, es wurde im unctarium – ein spezieller Salbraum in den Thermen - gesalbt, massiert, gebadet und lustvoll mit seinem Körper umgegangen. Eine besondere Spezialität war dabei auch eine Salbe, das Psilotrum, zur Gattung der Zaubersalben gehörend, die die lästigen Körperhaare entfernte.

Der Lavendel (Lavandula angustifolia) war eine sehr alltägliche Pflanze im Leben eines Römers. Die Römer fanden ihn in den ligurischen Alpen, in Istrien und der Provence und nannten ihn keltische und auch gallische Narde. Sein botanischer Name "Lavandula" ist vom lateinischen "lavare" abgeleitet, was waschen, baden bedeutet. Ein römisches Bad mit Lavendelduft war ebenso an der Tagesordnung, wie die von dem Kraut durchdrungene frisch gewaschene Wäsche. Er war in frühester Zeit nur eine “Waschpflanze”, seine Qualitäten als Parfum und Heilpflanze erreichte der Lavendel erst im 12. Jahrhundert.

Den absoluten Höhepunkt hatten die Aromata in den beiden ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Niemals zuvor wurde so viel dekorative Kosmetik, Salben und Glasflacons verkauft. Von Catull bis Martial erfanden die Dichter neue Worte, wie z.B. fragrare – stark riechen, flagrare – brennen, lodern, olfacere – riechen, spüren um Düfte noch besser zu beschreiben. Und der Dichter Catullus prägte den Ausspruch: “Macht mich doch ganz zur Nase”. Und auf Ovid geht auch ein fragmentarisch erhaltenes Lehrgedicht über Gesichtspflege (De Medicamine faciei fermineae) zurück, in der Dosierung und Herstellung von Sommersprossensalben, Gesichtscremes, Schönheitswässern und Schminken beschrieben sind.

Ergraute Haare färbte man mit dem Farbstoff der Wacholderbeeren, den man durch Fettauszüge von fein zerstoßenen Früchten bereitete. Schminkpasten waren meist ein Gemisch aus Rindertalg, Bienenwachs und parfumiertes Pflanzenöl. Grüner Lidschatten wurde aus dem Kupferkarbonat Malachit gewonnen, während zur Blaufärbung ein Kupfer-Natriumsilikat verwendet wurde, das bei der Glasherstellung anfiel. Das Rot für Lippen und für Wangen wurde aus rotem Ocker hergestellt, den man aus Griechenland und Mesopotamien bezog. Aus der Alkannawurzel wurde ein Farbstoff gewonnen, mit dem man Haare, Fingernägel, Salbe und auch Wolle färbte. Diesen Farbstoff gewinnt man auch heute noch aus der Alkannawurzel und er färbt wie in alten Zeiten kosmetische Produkte aller Art.

Als Salbengrundlage diente dabei seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. das Sesamöl, das ebenfalls zur Zubereitung von Speisen Verwendung fand. Duftstoffe aus aromatischen Pflanzen wurden durch Enfleurage oder Mazeration gewonnen. Bei der Enfleurage wird eine Platte mit tierischem Fett, meist 1 Teil Rindertalg und 2 Teile Schweineschmalz bestrichen und darauf werden die Blüten gelegt. Das Fett durchdringt die Blüten und löst so die ätherischen Öle aus der Pflanze, die in das Fett übergehen. Der Vorgang Blüten auf das Fett zu legen, wird täglich so lange wiederholt, bis das Fett mit den Duftstoffen getränkt ist.

Bei der Mazeration werden die Pflanzen in das Öl eingelegt und ausgezogen, aber um nochmals eine höhere Duftausbeute zu bekommen, wurde das Öl erhitzt und anschließend noch bei hoher Temperatur filtriert. Nach einer dritten Methode wurden die Pflanzen ausgepresst, dazu benutzte man eine Sackpresse, wie sie für Wein und Oliven verwendet wurde. Tierische Fette mit ihrem wesentlich höheren Schmelzpunkt lieferten die damals beliebten Pomaden.

Eine Anweisung zur Herstellung wohlriechender Öle aus der mesopotanischen Duftkultur ist uns folgendermaßen überliefert:

Öl wird bereitgestellt. Wasser, am besten Brunnenwasser aus dem Palast, wird gekocht, eine oder mehrere Spezereien, evtl. gewaschen, getrocknet und gelesen oder zerstoßen und durchgesiebt, werden in das kochende Wasser getan und bleiben den Tag über darin stehen. Am Abend kommen manchmal noch eine oder mehrere Spezereien dazu. Die Mischung wird über die Nacht unberührt gelassen. Am Morgen werden die durchgefeuchteten Spezereien, nach Ausseihen und evtl. Zusetzen weiterer Rohstoffe, erhitzt. Fettes Öl wird dazugetan. Das Gemisch wird verrührt, es darf aber nicht geschüttelt werden. Der Topf wird zugedeckt. Wenn das Öl hochkommt oder die verschiedenen Substanzen ineinander übergehen, wird nochmals umgerührt und alles zugedeckt der Ruhe überlassen. Vier Tage bleibt es stehen, um dann nach leichter Abkühlung durchgeseiht zu werden.

Die Analysen solcher alter überlieferter Methoden zeigt, das die Technik dieser Methoden so perfekt war, dass die Riechstoffe unter optimalsten Bedingungen und vor allem mit der größtmöglichen Ausbeute aus den Pflanzen herausgelöst wurde.

Die Salben und Salböle wurden kalt gelagert, um ein Ranzigwerden zu verzögern. Und da Blei als kaltes Metall und Alabaster ein kalter Stein war, bevorzugte man Bleibehälter und Alabastertöpfe zur Aufbewahrung.

Aber die Salben wurden nicht nur äußerlich angewendet, sie wurden auch in Speisen gegeben und Salböle wurden getrunken, um den Urin duftend zu machen. Ebenso wurden die Aromata wurden auch mit Lehm gemischt und daraus Geschirr gefertigt.

Die parfumierten Öle der Kreter waren die absolut hippeste Verführung die es in Rom gab. Und so gab es eigene kretische Handelsflotte, die neben den Phöniziern, die Salben, Öle und Pomaden exportierten. Als wichtigste Salbengrundlage galt das kretische Olivenöl, das selbst heute noch zu den begehrtesten der Welt gehört. Aber auch Mandel-, Mohn- und Sesamöl wurden verarbeitet. Diese Pflanzenöle wurden teilweise mit Rindertalg gemischt um dem jeweiligen Produkt eine festere Konsistenz zu geben. Aber statt sich mit den bekannten Aromen zufrieden zu geben, wie
Zypresse, Zeder, Mastix, Myrrhe, Labdanum oder Myrte, experimentierten die Kreter mit der Quitte und stellten schwere nach Honig duftende Parfums mit Ginsterblüten her, die mit Begeisterung in der damaligen Duftwelt aufgenommen wurden.

Auch kannte man bereits Methoden um Olivenöl farblos und haltbarer zu machen. Dazu wurde es eine Woche lang an der Sonne durch starkes Rühren und häufiges Umgießen gebleicht. Zur Steigerung seiner Haltbarkeit wurde es mit in heißem Wasser mazerierten Fichtenspänen versetzt. Nach weiteren 8 Tagen mischte man Honigkleeblüten und Iriswurzeln dazu. Von den festen Bestandteilen durch Filtration gereinigt, gewann man so für die Salbenbereitung ein Olivenöl mit angenehmen Geruch. Olivenöl war damals, wie heute, ein sehr begehrter Handelsartikel, der aus Syrien, Kreta und Zypern eingeführt wurde.

Ebenso wurde für die duftenden Salben und Parfums ätherische Öle gewonnen. Diese wurden nicht destilliert, sondern über folgendes Verfahren gewonnen. So beschreibt Dioskurides den Vorgang wie folgt: Man erhitzte das Zedernharz in einem Gefäß, das mit Wolle abgedeckt war. Das verdampfende ätherische Öl wurde von der Wolle absorbiert und konnte nach ihrer Sättigung durch Auspressen in reiner Form gewonnen werden. Diese Methode stellt eines der ältesten Verfahren zur Gewinnung von ätherischen Ölen dar.

Die Herstellung ätherischer Öle

Die Wasserdampfdestillation mittels Destillen ist ein Verfahren, das in Büchern erst in der Zeit Avicennas, also im 11. Jahrhundert zugesprochen wird. Aber tatsächlich wurde die Destillation bereits in Mesopotamien also 2. Jahrtausende v. Chr. praktiziert. In einem gebrannten Tontopf mit zwei auf verschiedenen Ebenen liegenden Rändern wurde das pflanzliche Rohmaterial zusammen mit Wasser erhitzt, das Destillat in den ausgebildeten Kanal aufgefangen und danach mit Tüchern aufgetupft. Nach einer akkadischen Vorschrift mußte man die verschiedenen Teiloperationen vier Tage lang mit der größten Sorgfalt ausführen, um das feste biologische Material von seinem ätherischem Öl zu trennen. Dieses wurde danach in fetten Ölen aufgenommen und zu Parfum weiterverarbeitet. Allerdings hat dieses Verfahren, das aus der Zeit um 3.500 v. Chr. stammt, keine Verbreitung über Ninive am Tigris hinaus gefunden, und erst im 11. Jahrhundert sollten die Araber eine neue und effizientere Technik zur Gewinnung von ätherischen Ölen mit Hilfe von Wasserdampf finden.

Das Labdanum

Einer der beliebtesten Pflanze im römischen Reich war das Labdanum, das Harz der kretischen Cistrose (Cistus ladanifer). Es gehörte zu den 60 bekanntesten Aromastoffen der Römer und wurde als Räucherpflanze, in duftenden Salben und Balsams und auch als Arzneimittel verwendet. Während der römischen Kaiserzeit kostete Labdanum ebensoviel wie Weihrauch und Myrrhe. Dabei stammt das Labdanum nach Herodot von dem übelriechendsten Platz der Welt: nämlich dem Bart der Ziegen. Diese wurden in die Cistrosenbüsche getrieben und das klebrige Harz verfing sich im Bart der Ziegen, das dann später ausgekämmt wurde. An dieser Gewinnungsmethode hat sich bis heute wenig geändert, nur dass man keine Ziegen mehr benötigt, sondern ein rechenähnliches Instrument mit langen Lederbändern verwendet, das durch die Cistrosenbüsche gezogen wird.

Eine der berühmtesten Parfumkreationen das Chypre-Parfum ist keine Erfindung der heutigen Parfumeure, sondern entstammt der Antike. Im antiken Kreta wurde es aus Labdanum, Styrax und einem Schilfextrakt hergestellt. Unsere abendländische Duftkultur kam erst durch den 3. Kreuzzeug (1190 – 1192) mit diesem Parfum in Berührung.

Götterverehrung

Duftende Pflanzen waren in allen antiken Kulturen immer erst spirituellen und religiösen Zwecken gewidmet, bevor sie als Handelsware für "jedermann" erschwinglich wurden. Der aufsteigende Rauch des Räucherwerks galt als Botschaft an die Götter und darin sah man das symbolische Zeichen, dass der Rauch die Gebete, Hoffnungen und Wünsche direkt in den Himmel zu den Göttern bringt.

So wurden auch die römischen Götter mit einer verschwenderischen Duftsymbolik belegt. Die Kostuswurzel wurde dem Gott des Ackerbaus Saturn geweiht, Adlerholz stand für den Kriegsgott Mars, Safran gehörte zu dem Gott der Heilkunst, der Literatur und Musik Apollo, Zimt dem Götterboten Merkur, Benzoe dem Gott des Himmels Jupiter, Moschus der Juno, die die Gemahlin Jupiters war und Ambra, der tierische Duftstoff des Pottwals, der Venus, der Göttin der Liebe. So wurden nicht nur die Götterstatuen bei allen religiösen Feierlichkeiten gesalbt und geweiht, sondern auch die Adler und Feldzeichen der Legionen. Dies war eine schutzsymbolische Handlung. Denn so sollte eine schutzmagische Wirkung und Kraftübertragung der Götter mittels der duftenden Salben und Räucherungen auf die Legionen übergehen.

Duftende Gewohnheiten schlichen sich im Laufe der Zeit aber auch in das Heer ein. So unternahm Kaiser Otho (32 – 69 n.Chr.) seine Feldzüge nie ungeschminkt und unparfumiert und die römische Standarte wurde vor der Schlacht mit kostbaren Essenzen geweiht.

Der Rosmarin

Eine Pflanze, die hier bei der Götterverehrung Verwendung fand, war der Rosmarin. Sein Namensursprung kommt von den Römern, die ihn "Ros maris" – was übersetzt Tau des Meeres bedeutete. Sie vermuteten, dass sein feiner Geruch vom Tau des Meeres kam, der sich in den Küstengegenden nachts auf die Blätter niederschlug. In Griechenland hieß die Pflanze Libanotis, aufgrund der Sage, dass ein wunderschöner, aber sehr tugendhafter Jüngling namens Libanos die Götter inbrünstig verehrte. Eifersüchtige Mitbürger töteten ihn und aus seinem Körper wuchs zu Ehren der Götter der Rosmarin, die als Blume des Olymps den Göttern geweiht wurde. Diesen Opferkult des Rosmarins in Griechenland übertrugen die Römer auf ihre Götter und schmückten Bilder und Statuen mit Rosmarinzweigen, die sie auch in die Siegeskränze mit einflochten. Später erst entdeckte man seine luftverbessernden Eigenschaften und verräucherte ihn bei römischen Festmählern und Gelagen. Und noch viel später entdeckte man erst seine Qualitäten als Gewürz und Heilmittel.

Eine ganz besondere Symbolik hatte hier auch der Lorbeerkranz als Siegessymbol, der das dritte Auge vieler Herrscher zierte. Es war Brauch Dichtern, Sängern, siegreichen Helden, Sportlern und herausragenden Persönlichkeiten einen Kranz aus Lorbeerzweigen auf das Haupt zu legen. Auch trugen die Feldherrn diesen als Zeichen eines unblutigen Sieges auf dem Schlachtfeld.

Der Lorbeer

In Griechenland war der Lorbeer dem Gott Apollon (bei den Römern Apollo) geweiht und wurde "mantikos" – Hellsehkraut genannt. Denn Lorbeerblätter waren eine der geheimnisvollen Zutat der Orakelmischung der Pythia, der Seherin von Delphi. Es war das berühmteste Orakel des antiken Griechenlands. Das Wort Orakel bedeutet Antwort und über dem Eingangstor zum Orakel waren die Worte "Erkenne Dich selbst" eingemeißelt. Die Pythia, Orakelpriesterin in Delphi, inhalierte den Lorbeerrauch bevor sie in Trance fiel und Prophezeiungen aussprach. So gehört er zu den magischen Pflanzen, mit der man die Fähigkeit, bekommt Verborgenes ins Licht zu bringen.

In alten Kräuteraufzeichnungen gehört Lorbeer sogar zu den "Diplomatenmitteln". So soll ein Diplomat sympathisch wirken, seine Angelegenheiten geschickt vertreten können und in Verhandlungen Selbstbeherrschung und Geduld mitbringen. Man kann mit ihm seinen mündlichen und schriftlichen Ausdruck und das Vermitteln von Wissen verbessern.

Dies klingt vielleicht weit her geholt, aber Lorbeeröl gehört zu den Gerüchen, die unseren Hautgeruch imitieren. Man beschreibt seine Duftaura als veredelten Hautgeruch, was seine historische Verwendung verständlich macht. Die Vorstellung von Reife und Vollkommenheit wird durch den Lorbeerkranz auf einen durch sein Denken und Handeln vorbildlichen Menschen übertragen. So wird er zum ausgesprochenen Sympathieträger!

Die Festgelage und Orgien

Aber Duftstoffe spielten auch bei den den römischen Festmählern und Gelagen eine große Rolle und es wurde verschwenderisch damit umgegangen. So wurden die Gäste zum Auftakt von Kopf bis Fuß mit wohlriechenden Salben parfumiert. Aber nicht nur das, auch Einrichtungsgegenstände, Wände und Haustiere wurden gesalbt. Es wurde Weihrauch, Myrrhe und andere Harze verbrannt und die Gäste wurden mit Rosenblüten überschüttet. Es sind Gelage überliefert, wo sich die Rosenblüten einen halben Meter hoch über dem Fußboden türmten. So beschreibt Horatius ein Gelage, wo den Gästen nach der Salbung Kränze aufgesetzt wurden und in den Räumen ließ man Tauben herumflattern, die man vorher mit Salbölen besprenkelt hatte.

Und Petronius, der ein Zeitgenosse Neros war, parodiert in seinen Schelmengeschichten “Cena Trimalchionis” – ein “Gastmahl bei Trimalchio” Neros Verschwendungssucht. So beschreibt er ein Gelage des neureichen Emporkömmlings Trimalchio: "Unversehens begann die Decke zu knacken und der ganze Speisesaal erbebte. Ich sprang bestürzt auf die Beine und fürchtete, es werde irgendein Akrobat durch das Dach heruntersteigen. Nichts anders wunderten sich die übrigen Gäste, reckten also die Hälse und waren gespannt, was für eine Neuigkeit der Himmel zu melden habe. Da teilte sich die Decke und plötzlich sinkt ein gewaltiger Reifen herab, an dessen ganzer Rundung entlang goldene Kränze mit Parfumflacons hingen."

Übrigens gab es in allen größeren Städten Farben-, Kräuter- und Salbenhändler, die solche Feste ausrichteten und ebenso die nötigen Requisiten lieferten, wie die heutigen Partyausrichter.

Die Rose

Einer der begehrtesten römischen Düfte war die Rose, eine solche Vielfalt an Duftrosen wie heute gab es damals noch nicht, aber die Urformen, wie die Rosa gallica und auch die Damascener Rose, sind auch heute noch sehr begehrt. Wie bei jeder heiß begehrten Pflanze ranken sich Mythen und Legenden um ihre Entstehungsgeschichte. So soll sie aus dem Blut des Adonis, der durch ein Wildschwein tödlich verletzt wurde, geboren sein, während die Tränen der Venus über den Verlust ihres Liebhabers die Anemone entstehen ließ. Nach der türkischen Legende entstand die Rose aus dem Schweiß ihres Propheten Mohammeds und nach der christlichen Legende aus dem Blute Christi.

Aber die irdische Herkunft verliert sich in den weiten Asiens, denn vor mehr als 5.000 Jahren waren Rosen in China bereits bekannt. Und wieder war es Karl der Große, der den Anbau der Rose, in unseren Breitengraden verordnete.

Seit der Antike hat man versucht, den Duft der Rose einzufangen und so wurde die Rosenblüten in Ölen mazeriert und per Enfleurage als Duftstoff gewonnen. Als Arzneimittel gab es Rosensalbe, Rosenwein, Rosenessig und Rosenhonig. Die Rosensalbe setzte Plutarch zur Bekämpfung von Trunkenheit und bei Kopfschmerzen ein. Rosenwein war gut für die Verdauung und fast unfehlbar bei Durchfall.

Aber nicht nur bei Gelagen, bediente man sich großzügig der Spezereien. Auch die Gymnasien wurden mit parfümierten Ölen für Wettkämpfe beliefert. So wurden um das Jahr 120 v. Chr. für 38 Wettkämpfe 11.000 Liter parfumiertes Öl ans Gymnasium von Taormina geliefert.

Die Küche des Apicius

Eine der bekanntesten Überlieferungen der römischen Küche ist das Kochbuch "De re coquinaria" des Römer Marcus Gavius Apicius. Apicius hatte eine Vorliebe für sehr teure und extravagante Zutaten und war der Vertreter der damaligen “Haute Cousine”. So wird er von Plinius als der “Größte aller Verschwender und Prasser” tituliert. Aber die Kochkunst und auch die Lehren über Vorratshaltung von ihm waren Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus sehr beliebt. Sein Werk enthält eine ganze Reihe von den verwendeten aromatischen Gewürzen, darunter die indischen Gewürze, wie Pfeffer, Kardamom, Ingwer, aber auch die einheimischen Kräuter, wie Kümmel, Fenchel, Rauke, Dill, Koriander, Anis und Wacholderbeeren.

Seit frühesten Zeiten war der Thymian ein sehr begehrtes Küchengewürz, Arzneimittel und Räucherpflanze, der in der Antike als ein Allheilmittel galt. So war er Bestandteil des Theriak, es gab duftende Thymiansalben und Apicius berichtete über die Verwendung als Würzmittel von Speisen und Wein.

Die Wildarten von Sellerie und Petersilie erwähnte bereits Homer. Griechen wie Römer verwendeten beide Pflanzen als Heilmittel, Gemüse und Gewürz. Die Griechen nannten den Sellerie selinon, die Römer apium. Sie widmeten die Pflanze dem Gott der Unterwelt Dis Pater, der bei den Griechen Hades hieß, nach Plutarch bedeutete sie Tod und Tränen. Dagegen wurde die Petersilie nicht nur als Mittel bei verblassendem Liebesfeuer verwendet, sondern wurde auch dazu benutzt, um die unerwünschten Folgen leichtfertiger Leidenschaft ungeschehen zu machen.

So ist der Inhaltsstoff Apiol ein wirksames Abortivum. Im Kochbuch des Apicius erfahren wir von der Würzkraft der Petersilie bei Lukanischen Würstchen. Wie immer findet sich auch der Aberglaube wieder, so durfte eine römische Jungfrau mit Heiratsabsichten keine Petersilie verpflanzen, sonst würde sie keinen Mann abgekommen.

Aber auch Harze wurden für die Küche verwendet. Eines der begehrtesten Harze war das Mastix, das vom Pistazienbaum stammt. Seine Heimat ist die Insel Chios, die dadurch sehr hohes Ansehen genoss. Mastix war nicht nur eine begehrte Räucherpflanze, sondern auch ein Arzneimittel, wurde als Kaugummi gekaut, wurde zu Zahnpulver verarbeitet und als Gesichtspflegemittel. Aber auch als Gewürz, heute wird noch Mastix zum Harzen des Weines, wie beim griechischen Retsina verwendet.

Während der römischen Kaiserzeit war Mastix nur für wenige Menschen erschwinglich. Und da aromatische Pflanzen nach der griechischen Überlieferung immer göttlichen Ursprungs waren, berichtet Homer von einem mit Mastix parfumierten Salböl, dass der Göttin Hera, Gattin des Zeus, zugeschrieben war.

Auch zur Abwehr und Vernichtung von Vorratsschädlingen in den Kornkammern wurden die Aromata gezielt mit Räucherungen eingesetzt. Bereits geringe Mengen Weihrauch (Boswellia sacra oder Boswellia carteri) vertrieben Getreidemotten und Speisebohnenkäfer. So vernichtete eine Menge von einem Gramm des verräucherten Harzes innerhalb von 24 Stunden den größten Teil der Schadinsekten in einem Luftraum von 50 Litern. Eine ähnliche Wirkung ging vom ätherischen Öl der Wacholderbeeren, Dillsamen und Zimtrinde aus. Kalmusöl z.B. führt bei einigen Ungezieferarten wie etwa der Stubenfliege oder der Kopflaus zur Sterilisation.

Die Heilkunde des Dioskurides

Aber alle verwendeten duftenden Pflanzen waren nicht nur Wohlgerüche für die Götter und Nahrung für die Seele, sondern sie stellten auch die einzige Apotheke zur Behandlung von Krankheiten dar. Und so gibt es auch über die medizinische Verwendung unerschöpfliche Quellen, wobei allerdings so manche Pflanze, heute nicht mehr genau botanisch definiert werden kann, da es ein botanisches Erkennungssystem nicht gab. Aber zahlreiche Kundige, wie Dioskurides oder Galenos haben ganze Bücher über die medizinische Seite der Pflanzen geschrieben, über Heilmittel, Dosierungen und Gegengifte und auch so manche Stilblüte wurde dem staunenden Volk kund getan.

So z.B. der Basilikum, der in der Antike den Ruf hatte ein Antidot gegen das Gift der Basilisken, jener mythischen Fabelwesen mit dem tödlichen Blick, zu sein. Harry Potter-Fans kennen den Basilisken. Aber eigentlich galt der Basilikum als Symbol der Fruchtbarkeit und wurde zum Liebeszauber verwendet, denn er machte unwiderstehlich schön und sehr begehrenswert.

Die bekannteste medizinische Abhandlung aus dem römischen Reich stammt von dem Griechen Pedanius Dioskurides. Es ist die Materia Medica, die aus fünf Büchern besteht und das wichtigste und einflussreichste antike Werk über Arzneimittel ist. Es ist eine Sammlung von Pflanzenmonographien, das insgesamt 1.000 Arzneimittel enthält. Sein Werk entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. und bildete bis ins 16. Jahrhundert die Grundlage für die medizinische Verwendung von Mineralien, Tieren und Pflanzen.

Über Dioskurides selbst wissen wir, dass er Militärarzt bei den römischen Legionen war. Das ganz Besondere an seinem Wissen ist, dass seine Aussagen über Wirkungen, Verfälschungen von Pflanzen und auch deren Giftigkeit bis heute aktuell geblieben sind und vieles wissenschaftlich bestätigt wurde. Beispiele dafür gibt es viele, so z.B. die Wirkung der Pfefferminze bei Kopfschmerzen, die adstringierende Wirkung von Eiche und Weide und die schmerzstillende Wirkung des Schlafmohns.

In seiner Materia Medica liest sich das z.B. so, das Capitel 5 über den Kardamom:

“Das beste Kardamomon wird aus Komagene, aus Arabien und vom Bosporus bezogen; es wächst in Indien und Arabien. Man wähle das, welches schwer zu zerbrechen, voll und rasselnd ist [denn was diese Eigenschaft nicht hat ist zur unrechten Zeit gesammelt], welches einen betäubenden Geruch und scharfen, bitterlichen Geschmack hat. Es hat erwärmende Kraft. Mit Wasser genommen wirkt es gegen Epilepsie, Husten, Isschias, Paralyse, Zerreissungen, Krämpfe, Leibschneiden und treibt den Bandwurm ab. Mit Wein genommen ist es ein gutes Mittel bei Nierenleiden, Harnverhaltung, gegen Skorpionstiche und alle Bisse giftigen Thiere. Mit 1 Drachme von der Wurzelrinde des Lorbeers getrunken zertrümmert es den Blasenstein. In der Räucherung tödtet es den Embryo, und mit Essig eingerieben vertreibt es die Krätze. Es wird aber auch den Salben zum Verdichten zugesetzt [ebenso den anderen Gegenmitteln].”

Die Handelsrouten

Aber auch der Kardamom hatte, wie andere Pflanzen auch, einen sehr langen Weg bis ins römische Reich. Der Handel mit den begehrten Harzen und exotischen Pflanzen lag im Altertum praktisch vollständig in der Hand der südarabischen Stadtstaaten, die ihre Güter auf der legendären Weihrauchstraße bis zu den Küsten des Mittelmeeres transportierten, von wo aus die wichtigsten Kulturzentren im gesamten Mittelmeerraum erreicht werden konnten. Obwohl man annimmt, dass der älteste Handelsweg bereits 2.500 v. Chr. benutzt wurde, florierte er erst richtig, seit die ersten Kamele als Reit- und Lasttiere benutzt wurden.

Den aromatischen Pflanzen verdankte die arabische Welt eine über tausendjährige Blütezeit, die ca. vor 800 v. Chr. begann. Dabei waren der Anbau und die Produktion von Weihrauch und Myrrhe wohlgehütete Staatsgeheimnisse, die weder den Griechen noch Römern bekannt waren. Und eine ganz besondere Verschleierungspolitik sollte allzu Neugierigen und Wissbegierigen den Einblick in das Handelsmonopol verleiten.

So berichtet der Geschichtsschreiber Herodot, dass die Weihrauchhaine von geflügelten Schlangen und einer elitären Garde bewacht würden. Dessen Mitgliedern es verboten war, eine Frau zu berühren als auch einen Leichenzug zu betrachten. Und nach einem ausgeklügelten Kontrollsystem wurden die Schätze auf der Weihrauchstraße von Dhofar im heutigen Sultanat Oman bis nach Gaza am Mittelmeer transportiert. Das Handelsmonopol der Araber beschränkte sich aber nicht nur auf Myrrhe und Weihrauch, sondern sie waren auch Zwischenhändler für Seide, Gewürze, Sandelholz und die tierischen Duftstoffe Moschus, Ambra und Zibet. Lange vor den Römern erschlossen sie sich Handelswege nach China, Indien und Afrika. Dadurch entstand der Mythos des unermesslichen Reichtums von "Arabia Felix".

Nach Herodot und Aristoteles hütete der berühmte Phoenix-Vogel über Arabia Felix, dessen Nest aus Zimt und Kassia gebaut ist. Plinius fügte später hinzu, dass solche Geschichten nur den Preis der Pflanze hoch halten sollte. Aber die genaue geographische Lage der Zimtanbaugebiete war in der Antike nur den südarabischen Handelsmonopolisten bekannt, die ihre Ware von Sri Lanka über Indien nach Südarabien brachten. Und von hier aus über Karawanenstraßen und die phönikische Küste weitertransportierten. Vor allem nach Zimt duftende Salben waren in der Antike sehr begehrt.

Der Weihrauch

In den antiken Kulturen war Weihrauch der göttlichste aller Räucherstoffe und kein anderes Harz hat je mehr Verehrung erhalten. Im alten Testament bekam Moses von Gott eine Räuchermischung übermittelt, die Weihrauch enthielt. Und seit dieser Zeit gibt es den "Kirchenweihrauch" bis heute in vielen christlichen Glaubensgemeinschaften.

Von den Ägyptern wissen wir ebenso über die glühende Verehrung dieses Räucherharzes. So wurde Weihrauch zu Ehren des Sonnengottes Ra bei Sonnenaufgang, Myrrhe beim höchsten Sonnenstand des Tages und abends Kyphi, eine Mischung die auch Weihrauch enthielt, verräuchert. In den Tempeln gab es spezielle Weihrauchkammern in denen die Räucherpflanzen, wohlriechende Öle und Salben aufbewahrt wurden.

Und wie in der Duftsymbolik der Ägypter übernahmen den Weihrauchkult auch die griechischen und römischen antiken Kulturen. Und so sind neben dem rituellen Gebrauch des Weihrauchs auch einige Anekdoten vermerkt, die über die Menge des verwendeten Räucherwerks berichteten.
 

Von Alexander dem Großen berichtet Plutarch: In seiner Jugend sei er einmal von Seite seinem Erzieher, Leonides von Tarent, scharf getadelt worden, da er anläßlich einer Opferfeier zu großzügig mit Weihrauch umgegangen sei. Dies sollte er erst tun, wenn er die Weihrauch produzierenden Völker unterworfen hätte. Nach der Einnahme von Gaza schickte Alexander dem Philosophen 500 Talente Weihrauch und 1000 Talente Myrrhe, damit dieser den Göttern gegenüber nicht mehr so knausern müsse.

Und von Nero, dem Imperator Roms, weiß man zu berichten, dass er bei der Beerdigung seiner Frau Poppaea Sabina eine gesamte Jahresernte arabischen Weihrauchs opferte.

Die Duftkritiker

Aber wo immer sich die Duftkulturen größter Beliebtheit erfreuten, gab es auch die Kritiker, denen ein Umgang mit den duftenden Pflanzen ein Dorn im Auge war. Der römische Stoiker Seneca (ca. 4 . n.Chr. – 65) tadelte seine Zeitgenossen, denen er einen allzusehr ausschweifenden Lebenswandel durch exzessive Befriedung der Sinne vorwarf. So entstand der Satz: “Tugend und Lust gehören nicht zusammen." Und mehrfach wurde der Versuch unternommen, den Konsum von Duftstoffen einzudämmen. Julius Cäsar untersagte sogar den Verkauf von "exotischen Salben" per Gesetz. Aber Ermahnungen und Verordnungen wurden weiterhin unterlaufen, denn es gehörte einfach zum alltäglichen Bedürfnis, sich mehrmals am Tag zu salben.

Und Kritiker, wie Lukianos, sagten über Frauen: "dass sie den Reichtum der Männer für ihr Haar verschwenden und ganz Arabien dufte aus ihren Haaren." Plinius schloss sich dem an, in dem er schrieb:"Unter allen Grundstoffen des Luxus sind die Salben wohl das, was am meisten überflüssig ist. Perlen und Edelsteine gehen doch auf den Erben über. Kleider halten eine gewisse Weile, Salben aber verdunsten rasch und verschwinden nach Ablauf von Stunden Ihre größte Empfehlung ist es, dass ihr Geruch, wenn eine Frau vorübergeht, sogar die anlockt, die andersweitig beschäftigt sind."

Erst der Verfall des weströmischen Reiches 450 n.Chr. brachte die Duftkultur zum Erliegen. Und erst während des Mittelalters erhob sich die Faszination Duft von Neuem.

Ich möchte Euch abschließend einladen an unserem Stand “Hexenkräuter und Zauberrauch” im Vicus um die duftenden Salbenkreationen und Pflanzen kennenzulernen und erschnuppern, damit Sie selbst urteilen können, ob die üppige Verwendung der römischen olfactorischen Vorlieben auch Euren erlesenen Nasen entspricht. Denn über Düfte zu sprechen ist die eine Seite, sie zu erfahren eine andere. Ich möchte mich recht herzlich für Ihr Zuhören bedanken und stehe Ihnen noch für Fragen zur Verfügung.

 

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Alraunelinie

Literaturquellen

Günther Ohloff – Irdische Düfte, himmlische Lust

Emmerich Paszthory – Salben, Schminken und Parfume im Altertum

Paul Faure – Magie der Düfte

Dioskurides – Materia Medica

Levinon – Anzeiger für Schädlingskunde, Pflanzen- und Umweltschutz S. 63 und 81

Das römische Kochbuch des Apicius

Petronius – Gastmahl bei Trimalchio

Müller-Ebeling, Rätsch, Storl - Hexenmedizin