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Ätherische Öle bewusst kaufen

Wer ätherische Öle kauft, tut dies meistens, um seine Gesundheit zu unterstützen und um sich bei kleineren Krankheiten zu helfen, um sich zu pflegen und zu verwöhnen. Aber leider ist nicht alles auf dem Markt eine reine Qualität. Allein der Aufdruck “100 % naturreines ätherisches Öl” ist keine geschützte Bezeichnung und die Deklaration eines ätherischen Öles liegt in der Verantwortung des Herstellers. Und so finden sich nach wie vor auch synthetische oder verfälschte Ware am Markt, die einfach falsch deklariert wurden.

Den sogenannten Leitfaden für den richtigen Einkauf finden Sie mittlerweile in fast jeder Literatur über ätherische Öle und in fast jedem Shop, der ätherische Öle anbietet. Nur es lohnt ein ganz genauen Blick darauf zu werfen. Denn nur wer auf den Einkaufsleitfaden verweist, muss nicht unbedingt Qualität verkaufen. Wer mehr über Qualität erfahren möchte, liest hier weiter!

Warum dieser Leitfaden so wichtig ist, werde ich ihn ausführlich erklären:

Der Anbau der Pflanze

Irgendwo auf dieser Welt ist einmal eine Pflanze gewachsen, die sich in destillierter Form im Fläschchen wiederfindet.

  • Beim konventionellen Anbau werden chemische Düngemittel, Pestizide und Herbizide auf die Pflanze ausgebracht. Diese finden sich auch im ätherischen Öl wieder.
     
  • Kontrolliert-biologischer Anbau nach EG-Verordnung  oder demeter zertifizierte Bioqualität. Hier darf keine Chemie verwendet werden.
     
  • Bei der Wildsammlung werden Pflanzen der Landschaft entnommen.
     

Der Anbau am Beispiel der Zitrusfrüchte

Besonders kritisch sind hier die Zitrusöle zu bewerten, die ja fast überall für die Aromaküche beworben werden. Der Hinweis auf eine bio-Qualität zu achten, fehlt leider bei fast jeder Angabe darüber.

Ein konventionelles Zitrusöl wird aus der Schale mittels Kaltpressung hergestellt und alles, was an Pestiziden, Wachstumsregulatoren, Fungiziden, Insektiziden, Herbiziden und Nematiziden auf die Schale aufgebracht wurde, befindet sich anschließend im ätherischen Öl wieder.

Die bio-Qualitäten der Zitrusöle sind dagegen schadstofffrei, bzw. kaum belastet.

Zu diesem Schluß kommt auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebenssicherheit, die Zitrusfrüchte im Zeitraum von Januar - Mai 2010 überprüft haben. Und dies gilt besonders für die ätherischen Zitrusöle, die aus der Schale gewonnen werden.

Den deutschen und botanischen Namen der Pflanze

Hier besteht immer noch das größte Manko, da es den meisten Menschen genügt, wenn ein botanischer Name auf dem Fläschchen steht. Befindet sich allerdings eine andere botanisch genannte Pflanze darin, als der deutsche Name verheißt, haben Sie sich bereits falsch behandelt und können Nebenwirkungen erwarten. Denn eine andere botanisch genannte Pflanze hat komplett andere Wirkweisen und eine biochemische Ausrichtung, als der Beschreibungstext verheißt.

Internetsuchmaschinen geben hier schnell Auskunft, welche Pflanze sich im Fläschchen befindet. Die Aromaprofis kaufen nicht nach dem deutschen, sondern nach dem botanisch deklarierten Namen.

Die klassischen Verwechslungen

Amyris balsamifera wird meistens als das kostbare Sandelholz deklariert.

Melisse indicum, ist das javanische Citronellaöl (Cymbopogon winterianus) und wird immer mit den Wirkungen eines echten Melissesöles beworben.

Sternanisöl wird oft als Anis deklariert. Der Sternanis ist ein Baum, der Anis dagegen ein Kraut. Und diese Verwechslung ist durch das DAB (Deutsche Arzneibuch) zugelassen.

Heftig wird es bei dieser Verwechslung: der deutsche Name Zedernblätter steht für die Thuja occidentalis. Die Thuja enthält bis zu 50 - 90 % den Inhaltsstoff Thujon, der stark abortiv, nervenschädigend und neurotoxisch wirkt. Sie ist also alles andere als das, auf was der Name Zeder hinweist.

Das Ursprungsland, aus welchem Teil der Erde das Öl gewonnen wurde.

Hier wird das Land deklariert, in dem die Pflanze angebaut wurde.

Allerdings ist Etikettenschwindel auch hier an der Tagesordnung. Denn Frankreich müsste ein einziges Lavendelfeld sein und selbst das würde nicht ausreichen, um den Weltbedarf an französischen Lavendelöl zu decken. Oder haben Sie schon chinesisches oder australisches Lavendelöl im Handel entdeckt? Tatsache ist, dass Frankreich wohl der größte Abnehmer an synthetischem Linalool und Lavendelöl aus allen Teilen der Welt ist.

Das gleiche gilt für das australische Teebaumöl. Hier mussten schon sehr gute Plantagen aus wirtschaftlichen Gründen schließen, da diese den weltweiten Preiskampf um günstiges Teebaumöl verloren haben.

Wenn Sie Wert auf das Ursprungsland legen, dann achten Sie beim Lavendel auf das AOC-Siegel und bei beiden auf die bio-Qualität.

Der verwendete Pflanzenteil

Bestimmt kennen Sie auch die Etiketten, wo einfach nur Nelke oder Zimt deklariert ist. Nur aus welchem Pflanzenteil besteht der Inhalt des Fläschchens? Denn Zimt kann aus den Blättern und der Rinde destilliert werden,  wobei das Rindenöl deutlich teurer ist. Auch ist die biochemische Ausrichtung unterschiedlich.

Ein Nelkenöl kann aus  den Blättern, den Knospen und den Stielen gewonnen werden. Wobei letzteres als minderwertig gilt. Blätter und Knospen unterscheiden sich sowohl in der Biochemie als auch im Preis.

Der Chemotyp

Hier gibt es unterschiedliche biochemische Ausprägungen, die sich ganz komplett voneinander unterscheiden und als eigenständige Qualitäten beurteilt werden müssen. Beispiele sind hier der Thymian Linalool oder Thymol oder der Eukalyptus radiata und Eukalyptus globus. Und so muss  der Chemotyp aufgedruckt sein.

Gewinnungsverfahren des ätherischen Öles

Die Gewinnungsverfahren der Düfte sind die Wasserdampf-Destillation, Kaltpressung oder Extraktion. Neu ist das Verfahren der CO 2 - Destillation. Hier können Sie sich informieren, wie mit diesen Verfahren ätherische Öle gewonnen werden.

Wichtig ist, dass bei den Extraktionen die Angabe des Lösungsmittels erfolgt und ob das Produkt rückstandskontrolliert ist. Ein Absolue, wie z.B. Jasmin lässt sich nur mit Hilfe von Hexan gewinnen. Erst nach dem Auszug mit Hexan liegt das Duftergebnis vor.

Die Enfleurage ist wohl die älteste Methode der Menschheit um Duftstoffe zu gewinnen. Allerdings hat diese Methode ihren Preis. Ich habe bisher kein einziges ätherisches Öl aus Enfleuragegewinnung gesehen, dessen Preis von 1 ml (20 Tropfen) ätherisches Öl unter 90 EUR gelegen hat.

Das Mischungsverhältnis

Es gibt eine Reihe von sehr teuren Düften, die mit Weingeist, Alkohol oder Jojobaöl verdünnt werden. Es handelt sich hier meist um Vanille, Rose, Frangipani oder Melisse, also die ganz teuren ätherischen Öle. Oder um Co-Destillationen, bei denen eine Pflanze zusammen mit einer anderen destilliert wird. Wie z.B. das Wiesenköniginöl, das aus der Wiesenkönigin (Mädesüß) und Rosmarin besteht oder die Melisse 30 % von Primavera, die aus Melisse und Lavendelöl besteht.

Bei allen Mischungen und Co-Destillationen muss der botanische Name der zweiten Pflanze und bei Verdünnungen sollte das Mischungsverhältnis in Prozent und die Art des Verdünnungsmittel, wie z.B. Alkohol deklariert sein.

Füllmenge und Chargennummer

Unter der Chargennummer können Sie bei Ihrem Lieferanten die biochemischen und physikalischen Testergebnisse abgerufen. Dies ist besonders wichtig, wenn das ätherische Öl für aromamedizinische Zwecke eingesetzt werden soll.

Die ätherischen Öle werden in Glasflaschen angeboten, da manche von ihnen Kunststoffe angreifen und auflösen können. Das Glas muss dunkel sein, da Licht die Qualität der Öle negativ beeinflusst.

Vermerk: Nur zur Wohnraumaromatisierung und die Gefahrgutzeichen

Diese werden dann aufgedruckt, wenn das ätherische Öl als sogenannter Bedarfsgegenstand in den Handel kommt. Bestimmt ist Ihnen bereits aufgefallen, dass sehr viele Gefahrgutzeichen auf den Ölen zu finden sind. Das kommt daher, da die ätherischen Öle als Bedarfsgegenstände unter die europäische REACH-Verordnung fallen. Im Online-Magazin Aromapraxis Aktuell aus dem Jahr 2008 von Eliane Zimmermann finden Sie einen Bericht über REACH und ätherische Öle. Und die Regulierungswut der Bürokraten nimmt kein Ende.

Viele Hersteller gehen dazu über die ätherischen Öle nach der europäischen Kosmetikverordnung in den Handel zu bringen.

Wird das ätherische Öl als Arzneimittel angeboten, fällt es unter das Arzneimittelrecht und benötigt eine offizielle Zulassung.

Ätherische Öle sind allerdings auch Lebensmittel und fallen in diesem Bereich unter die Lebensmittelverordnung.

Die vollständige Firmenadresse

Denn bei Reklamationen sollte man sich auch an den Lieferanten direkt wenden können.

 

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