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Samhain - Die Pflanzen der Ahnen

von Gabriela Stark

mit freundlicher Genehmigung des Mittelaltermagazins Miroque

 

In vielen antiken Kulturen und vergangenen Welten war die Sonne der Mittelpunkt des Lebens, das Zentrum der Götter und sie bestimmte die großen und kleinen rituellen Zeremonien. Ihr Lauf durch Tag, Monat und Jahr lässt alles in ihrem Rhythmus erscheinen. Besonders im nördlichen Europa ist dieser Sonnenlauf besonders prägend. So haben wir große Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte und den Zeitspannen, die wir Frühling, Sommer, Herbst und Winter nennen. Aber dieser Sonnenlauf ist noch mehr – es ist der ewige göttliche Kreislauf von Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt.

Mit dem Niedergang der Kelten gingen die traditionellen Wurzeln erst in römischer, dann in christlicher Form auf. Die Druiden, auf die sich die mythischen, magischen und religiösen Traditionen der Kelten begründeten, verschwanden. Verschwanden? Nicht ganz! Denn im einfachen Volk lebten die uralten Traditionen weiter. Denn für die ursprünglich keltischen Bauern in ihren Gehöften änderte sich das Leben nicht. Sie lebten weiter wie bisher, säten und ernteten im Einklang mit den Jahreszeiten und der Sterne, heilten mit einheimischen Pflanzen und stellten nur anhand der heidnischen Götter, die vorgegebenen christlichen Heiligen.

Während der christlichen Missionierung des Volkes wurden Kirchen und Kapellen auf den keltischen Kraftplätzen und Thingorten errichtet. Die Kirche schaffte es allerdings nicht, die keltischen Festtage und Bräuche aus dem Bewusstsein der Menschen zu löschen. So vermischten sich beide Religionen und traten ihr heutiges kulturelles Erbe an.

Unsere Wurzeln und Traditionen reichen tief in das keltische Bewusstsein zurück. Der anstehende Herbst versüßt uns noch mit goldenen Sonnenstrahlen und doch ist der Sonnenlauf zum Sterben verurteilt, um in der dunkelsten aller Nächte, der Wintersonnenwende, wiedergeboren zu werden. Diesen Vorgang spiegelt das Jahreskreisfest Samhain der Kelten wieder. Es war der Beginn des keltischen Jahres. Es war ein rituelles Feuerfest der Druiden, ein politischer Akt, an dem die Stammesführer neu bestimmt wurden und es war ein Festschmaus für alle. Aus den Wurzeln von Samhain begründet sich das christliche Hochamt Allerheiligen (1. November) und das Erntedankfest im Oktober.

Das historische Samhainfest

Historisch belegt ist, dass das Samhainfest sieben Tage und Nächte dauerte und die Teilnahme aller Dorfbewohner Pflicht war. An Samhain mussten in Irland alle Feuer gelöscht werden. Es war unter Androhung der höchsten Strafen verboten das Feuer wieder zu entfachen. In einer Zeremonie wurde das Feuer von den Druiden wieder zum Leben erweckt und von dem göttlichen Funken nahm sich jeder etwas Glut nach Hause, um damit sein Herdfeuer wieder zu entfachen und etwas von der empfangenen Göttlichkeit konnte ins eigene Haus einkehren. Heute begehen wir dieses Feuerfest immer noch, allerdings unter anderem Namen. Wir feiern den Brauch des Martinsfeuers. An Sankt Martin hat nicht nur das Laternenlaufen der Kinder, sondern auch das Abbrennen von großen Scheiterhaufen Tradition.

Halloween

Einer der wohl schönsten Bräuche ist dabei Halloween, das weit mehr bedeutet als „Süßes oder Saures“. Denn in der Nacht vor Samhain heben sich die Grenzen auf, die Anderswelt kann in unsere Welt kommen und das Reich der Toten für eine Nacht auferstehen. Nur so ist zu verstehen, warum wir uns ausgerechnet als Gespenster, Trolle, Zombies oder Hexen verkleiden. Denn ein verkleideter Mensch wird von den Wesen der Anderswelt nicht als Mensch erkannt. Man stellte Schälchen mit Speis und Trank vor die Tür, um sie Milde zu stimmen und zu ehren. Heute treiben die Kinder Schabernack, sofern sie keine Süßigkeiten geschenkt bekommen.

Vom Licht in die Dunkelheit

Es ist die Zeit des Übergangs und des Wechsels vom Licht in die Dunkelheit. Zu Samhain sterben Götter und Helden und finden alle mythischen und epischen Schlachten zwischen Gut und Böse statt. Es ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit, die Konfrontation mit dem Tod und der Wiedergeburt.

Wir können unsere jahrtausendealten Traditionen des Totengedenkens nicht abschütteln. Ende Oktober und vor allem im November beginnt das Sterben der Natur. Es ist der Beginn der dunklen, kalten und vor allem nebligen Jahreszeit. Die Laubbäume werfen ihre Blätter ab und stehen kahl und ausgestorbenen in der Landschaft und nur wenige Menschen können den morgendlichen Nebelschwaden etwas abgewinnen. Besonders im November findet ein Rückzug zu den inneren Werten, die Wahrnehmung der Seelenbilder und ein Innehalten der Zeit statt.

Die Ahnenpflanzen

Besonders mit den keltischen Räucherpflanzen können wir unseren Vorfahren danken, Abschied nehmen, loslassen und vor allem uns mit dem alten Wissen verbinden. Viele Familientraditionen liegen in der Geschichte unserer Vorfahren begründet und haben ihren Ursprung vor vielen Jahrzehnten gefunden. Werden wir uns dieser Wurzeln bewusst, können wir ihren Sinn erfassen und uns vom Geist unserer Ahnen beflügeln oder befreien, je nachdem wie wir heute dazu stehen. Vieles in uns trägt die Botschaft unserer Familie, die wir mit einer Ahnenrückschau definieren können.

Der Löwenzahn

Eine ganz besondere Ahnenpflanze ist der Löwenzahn (Taraxum officinalis), dessen Wurzel im Herbst geerntet wird. In der Nacht vor Allerheiligen (Samhain) wurde er für Weissagungen und Totenbeschwörungen verräuchert, denn er symbolisiert das Leben, Sterben und die Vergänglichkeit. In der christlichen Mythologie steht er für die Ausbreitung der christlichen Lehre. Der Löwenzahn ist eine Marienpflanze, die die Zeichen der "Jungfernzeugung" trägt, da er sich ohne Staubbeutel und Narben fortpflanzen kann.

Löwenzahn ist in der Wildkräuterküche unübertroffen. Superlecker sind die noch geschlossenen Knospen, die sich im Inneren der Blattrosette bilden. Sie werden einfach gesammelt und in Butter gebacken, mit Gewürzen nach Geschmack gewürzt und dazu reicht man ein einfaches Kräuteromelett. Als Tee zeigt er seine Wirkung durch seine blutreinigenden Kräfte, bei Verdauungsbeschwerden und zur Unterstützung bei rheumatischen Beschwerden. Um die ganze Palette an Wirkstoffen zu nutzen, sollte man Blätter, Blüten und Wurzeln mischen. Für eine Tasse Tee übergießt man 2 TL mit kochendem Wasser, lässt ihn ziehen und seiht ihn ab.

Der Wermut

Wermut (Artemisia absinthum) gehörte zu den wichtigsten Heilpflanzen der Kelten. Seine Wirkung zeigt er bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen nach Festgelagen. In Erkältungs- und Grippezeiten kann ein Wermuttee die Krankheitsdauer verkürzen und das Wohlbefinden steigern. Aber Achtung: Er darf nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie bei Magen-Darm-Erkrankungen angewendet werden.

Wermuttee ist sehr bitter. Selbst der Versuch ihn mit Zucker oder Honig schmackhafter zu machen ist zwecklos, denn durch Süßen wird die Wirksamkeit des Tees beeinträchtigt. Wermuttee bereitet man aus 1 TL geschnittenem und getrocknetem Wermutkraut, das man mit ¼ l kochendem Wasser überbrüht und nach 10 Minuten abseiht. Bis zu drei Tassen Wermuttee gelten als unbedenklich.

Als Gewürz für die traditionelle Martinsgans ist Wermut oder auch Beifuß unübertroffen, da beide durch ihre Bitterstoffe alle fetten Speisen viel bekömmlicher machen. Außerdem geben beide eine äußerst delikate Kräuternote an den Gänsebraten, den man traditionell von außen und innen mit den Kräutern würzt.

Als bewusstseinserweiternde Räucherpflanze hat Wermut eine besondere Wirkung auf den Geist. Sein Rauch unterstützt die Intuition, Klarheit und Einsicht in viele Begebenheiten und kann Visionen fördern. Besonders für Ahnenbefragungen kann man ihn sehr gut verwenden.

Die Mistel

Eine Pflanze, die sowohl an Samhain wie zur Wintersonnenwende, verwendet wurde ist die Mistel (Viscum album). Sie gilt als Fruchtbarkeits- und Todessymbol. Die Mistel ist die magische Pflanze, die die Pforten der Unterwelt öffnet und mit deren Hilfe man die Schwelle zum Jenseits überschreiten kann. Sie gehört zu den Mysterienpflanzen, die symbolisieren, dass das Leben nicht endet, sondern ewig währt.

Ihre magische Wirkung erklärt sich daraus, dass sie ohne eine Wurzelverbindung zum Boden auf den heiligen Bäumen der Kelten wächst, ihre weißen Beeren zur Wintersonnenwende erscheinen und sie sich durch die Vögel fortpflanzt. Denn diese naschen von ihren Beeren und scheiden die Samen wieder aus. Die Kelten glaubten, dass ihre Beeren die Spermatropfen des kosmischen Stieres sind, der die große Göttin und die Welt befruchtet. Mit ihrer Ernte durch den Schnitt mit der goldenen Sichel konnte man sich die kosmischen Zeugungskräfte eines Gottes zu eigen machen.

Die Druiden brauten aus der Eichenmistel einen Zaubertrank, der dem Volk Fruchtbarkeit, Kraft und Heilung schenken sollte. In der Volksmedizin haben sich die fruchtbarkeitsspendenden Eigenschaften der Mistel bis heute erhalten. Kräuterpfarrer Kneip und Kräuterfrau Maria Treben empfahlen bei Unfruchtbarkeit von Frauen den tropfenweisen Einsatz von frischem Mistelpresssaft oder Misteltee (Kaltansatz) aus den Blättern und Stengeln. Und in der Krebstherapie kommt die Mistel medizinisch zu neuen Ehren.

Die heilige Mistel erschließt sich uns in Ahnen- und Orakelräuchermischungen, wenn wir uns hinterfragen möchten. Denn ihre Kräfte geben die wichtigen Impulse für Veränderungen, für Neues, sie lässt uns unsere Lebenskraft wieder spüren und vor allem hilft sie uns in unser Unterbewusstsein einzutauchen.

Die Ahnenräucherung

Für eine Ahnenräucherung nehmen Sie je 1 Teil getrocknete Löwenzahnwurzeln, Wermut, Mistelkraut, ebenso kann man einer solchen Mischung noch Johanniskraut, Propolis oder Holunderblüten zufügen. Diese gibt man prisenweise auf eine glühende Räucherkohle. Der Rauch verhilft uns dazu, unsere innere Stimme deutlicher wahrzunehmen, unsere Intuition zu stärken und einen positiven Weg aus vielen verschlungenen Pfaden zu nehmen.

Nutzen wir diese Tage vor und nach Samhain zum Innehalten und Atem holen, zum Kraft schöpfen und zur Rückbesinnung auf unsere Wurzeln, die bei unseren Vorfahren liegen.

 

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Alraunelinie

Quellen

Internet

Gabriela Stark – Geistertreiben und Ahnenkult

Literatur

Storl Wolf-Dieter - Pflanzen der Kelten
Gebundene Ausgabe: 366 Seiten
Verlag: AT Verlag (Oktober 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3855027056
ISBN-13: 978-3855027057

Le Roux/Guyonvarc’h - Die Hohen Feste der Kelten
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Arun-Verlag; Auflage: 3., Aufl. (Januar 2003)
Sprache: Französisch, Deutsch
ISBN-10: 3935581246
ISBN-13: 978-3935581240