Sandelholz - Räucherpflanze und Anwendung

 

Botanischer Name 
Santalum album
Familie                
Santalaceae - Sandelgewächse

 

Inhaltsstoffe

Harz, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Das ätherische Öl besteht aus 90 % Sesquiterpenolen und Sesquiterpenen.

Über den Wohlgeruch

Der Sandelholzbaum wird bis zu 10 Meter hoch und kann einen Umfang von 1 – 2 Metern erreichen. Das ätherische Sandelholzöl, das für den Duft verantwortlich ist, bildet sich erst in über 25jährigen Bäumen. Der echte Sandelholzbaum, santalum album, wächst in Indien, hauptsächlich in Ostindien in der Region um Mysore und Karnataka, wo die qualitativ besten Anbaugebiete sind.

Der derzeitige Ertrag an indischem Sandelholz, der in Besitz der Regierung ist, beträgt pro Jahr ca. 1.000 Tonnen. Das Holz wird an Händler in Indien versteigert. Heute ist eine gute Sandelholzqualität schwer zu bekommen, da die Bestände durch Abholzung knapp werden und die Ausfuhr vom Staat reduziert und stark überwacht wird.

Natürlich sind noch andere Sandelholzarten im Handel, die zwar nicht in Indien beheimatet sind, aber zur gleichen Pflanzenfamilie gehören. Denn man muss sich immer wieder bewusstmachen, dass die weltweite Menge der verkauften Räucherstäbchen und -hölzer und ätherische Öle des Sandelholzes die Jahresproduktion des in Indiens vorkommenden Sandelholzes bei weitem übersteigt. Zu diesen Pflanzen gehören das Santalum yasi - das Fidji-Sandelholz, Santalum freycineatianum - Hawaiianisches Sandelholz, Santalum neucaledonicum - Neukaledonisches Sandelholz, Santalum persicarium - Westaustralisches Sandelholz und Santalum cygnorum - Südaustralisches Sandelholz.

Verfälschung des Sandelholzes

Es gibt zwei Arten, die ebenfalls als Sandelholz im Handel angeboten werden:

Das rote Sandelholz (Pterocarpus santalinus) ist ein Baum, der zur Familie der Schmetterlingsgewächse gehört. Sein Holz stammt ebenso aus Indien, Ceylon und den Philippinen und hat mit dem weißen Sandelholz überhaupt nichts gemein. Sein Hauptinhaltsstoff ist das Santalin, ein roter Farbstoff, der das Holz dunkelrot färbt. Es ist ganz schwach riechend und geschmacklos und in den Apotheken zu bekommen. Dort wird es zur Verschönerung von Teemischungen benutzt und in Räuchermischungen dient es ebenso nur zur optischen Verschönerung einer Mischung.

Ein weiteres Holz, das sich hin und wieder findet, ist Amyris balsamifera L., das als westindischer Sandelholzbaum gehandelt wird. Seinen Namen hat es, weil es von den westindischen Inseln stammt, die aber nicht in Indien, sondern in der Karibik liegen. Er gedeiht in Venezuela, Jamaika und Haiti, gehört aber zu einer komplett anderen Pflanzenfamilie (Rutaceae – Rautengewächse), die genauso wenig mit dem weißen Sandelholz zu tun hat. In seiner Heimat nennt man es aufgrund seines hohen Ölgehaltes auch "Kerzenholz" und gebraucht es für Fackeln. Über eine langjährige Geschichte oder rituelle Verwendung, wie beim Santalum album, ist nichts bekannt.

Von der Heilwirkung des Sandelholzes

Im Ayurveda, der Wissenschaft vom langen Leben, wird es als Heilmittel verwendet und als bitter, kühlend, beruhigend und zusammenziehend bezeichnet. Es wird zur Behandlung von Blasen-, Nieren-, Atemwegs- und vielen anderen Erkrankungen empfohlen.

In der tibetanischen Heilkunde wird es bei Stresssymptomen durch zu viel Kopfarbeit und mentaler Erschöpfung verwendet. In der Aromamedizin wird das ätherische Öl des Sandelholzes vielseitig eingesetzt. Es enthält einen Stoff, der eine ähnlich chemische Struktur wie das Sexualhormon Testosteron aufweist.

Sandelholz zum Räuchern

Der Rauch des Sandelholzes ist fein ätherisch, würzig und holzig. Es kann sehr gut einzeln verräuchert werden, mischt sich aber auch gut mit fast allen anderen Räucherstoffen und gilt als aphrodisierend. Als Räucherpflanze bekommt man das Sandelholz in Form von Holzchips, die aus dem Kernholz geschnitten werden, Spänen oder Pulver. Für Mischungen ist das Pulver am besten geeignet, wer aber eine wirklich tiefe Sandelholzräucherung erleben möchte, sollte einmal auf die Holzchips zurückgreifen.

In einer Ahnenräucherung ist das Sandelholz sehr geeignet, um unseren Schmerz zu bewältigen. Wenn wir mit dem Verstorbenen sehr eng verbunden waren, können wir in einer Räucherung die schönen Gefühle und Erinnerungen noch einmal erleben und mit dem aufsteigenden Rauch loslassen und Abschied nehmen. In früheren Zeiten diente der aufsteigende Rauch als Brücke zum Jenseits und man stellte sich vor, wie die Seele über den Rauch in das Licht kommt. Nicht umsonst leisten sich die reichen Menschen Indiens eine Verbrennungszeremonie aus Sandelholz, da sein Rauch den Übergang in die jenseitige Welt bedeutet.

Das, was wir Europäer mit dem Weihrauch verbinden, ist in Indien gleichbedeutend mit Sandelholz. Hier gehört es zu den stärksten Stimulanzien für den menschlichen Geist, der sich für das Göttliche öffnen möchte und eine Kommunikation mit höheren Schwingungsebenen sucht. Dabei fördert und begleitet er Meditation, Gebet und Sammlung, kann unser drittes Auge öffnen und die Kraft der Kundalinischlange erwecken. Die Kundalinischlange hat im Tantra und Yoga besondere Bedeutung. Ihr Sitz ist das Wurzelchakra, also das Becken des Menschen und durch ihre Erweckung werden die einzelnen Chakren und Energiezentren gleichzeitig aktiviert und indem sie sich von unten nach oben windet, führt sie zur Erleuchtung.

Aus diesem Grund wird Sandelholz für Visionsräucherungen verwendet, aber nicht, um schöne Träume zu erleben, sondern um Klarsicht darüber zu erlangen, welchen Weg wir in unserem Leben einschlagen müssen, um spirituell weiterwachsen zu können. Er kann unsere Intuition vertiefen, unser altes inneres Wissen ins Bewusstsein bringen und in Visionen neue Möglichkeiten aufzeigen.

In allen Kulturen opferte man zu religiösen Zwecken, um Menschen, Tieren und Göttern zu danken und sie zu ehren. In einer kleinen Zeremonie kann man lieben Freunden lichtvolle Gedanken senden, sich bei fremden Menschen, die einem hilfreich zur Seite standen, bedanken oder einfach nur der Natur und des Lebens gedenken. Mit einer solchen Opferräucherung schaffen wir einen energetischen Ausgleich für eine empfangene Gabe.

Mit einer Sandelholzräucherung wird in Indien ein Schutz geschaffen, um alle Dämonen, übellaunige Menschen, schwarze Magie und kraftraubende Situationen zu bannen. So schreibt Christian Rätsch in seinem Buch "Räucherstoffe - der Atem des Drachen": "Orte, die nach Sandelholz duften, können von niederträchtigen Geistern nicht betreten werden und zusammen mit Rose wird Sandelholz am letzten Tag des Hindu-Jahres, zum Dewali-Fest, geräuchert, um die Menschen von allen Sünden reinzuwaschen.

Sandelholz wirkt sehr entspannend und beruhigend auf unsere gereizten Nerven, harmonisiert Körper und Geist, lässt die Sinnlichkeit genießen und ist gerade für abendliche Räucherungen bestens geeignet. Sein Rauch schafft eine Atmosphäre des Friedens und unterstützt auf dem Weg zur inneren Ruhe, Einkehr und Balance. Gerade in stressigen und hektischen Zeiten können wir innehalten und uns zentrieren und Kraft schöpfen. Für das Büro eignen sich besonders die Räucherstäbchen.

Seit altersher ist das Sandelholz in Indien ein begehrtes Aphrodisiakum. Es gilt als sexuell besonders anregend, die Phantasie beflügelnd und hat Pheromoncharakter. Auch bei Menschen mit sexuellen Schwierigkeiten eignet es sich, da diese oft das Ergebnis von Stress und Ängsten sind. Der Duft des Sandelholzes erinnert an das Androstenol, ein Stoff, der im Achselschweiß des Mannes enthalten ist und es imitiert die menschlichen Intimgerüche. Auf diese Weise gibt das Sandelholz seine erotischen Signale weiter.

Astrologische Zuordnung

Sandelholz gehört zu den Räucherpflanzen der Venus. Es unterstützt unseren Sinn für Ästhetik, Schönheit und Harmonie, lässt uns unvoreingenommen auf Menschen und Situationen zugehen und verbindet uns mit den Kräften der Venus. Die Venus steht für die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Erotik und das Eintauchen in die Sinnlichkeit. Sie ist das Symbol der Liebe, der Harmonie und das erotische weibliche Prinzip. Eine Venusräucherung kann dazu beitragen, dass wir wieder genießen, unsere Sinnlichkeit erleben und mehr Nähe zu anderen Menschen oder unserem Partner wieder zulassen.

Sandelholz ist im Tierkreiszeichen dem Stier zugeordnet. Menschen dieses Zeichens können das Leben genießen und viele Dinge hegen und pflegen, sie schätzen ihr Geld, Gut und Werte und haben Sinn für Ästhetik. Und so kann eine Stierräucherung dazu betragen, dass wir uns unseres inneren und äußeren Reichtums bewusstwerden, die eigenen Werte erkennen und die sinnlichen Seiten wieder entdecken können.

Rituelle Anwendung

Sandelholz wird in Indien seit über 3.000 Jahren als Wohlgeruch verehrt und als "königlicher Baum" in der ältesten Sanskrit-Literatur als chandana gepriesen. Bereits 1700 v. Chr. gehörte das Sandelholz zu den Exportschlagern Indiens, das nach Ägypten ausgeführt wurde und war eine zollpflichtige Handelsware.

Da man glaubte, dass das Sandelholz die Dämonen abwehrt, wurden aus seinem Holz wohlriechende Gottskulpturen geschaffen. So schreibt Günther Ohloff in seinem Buch "Irdische Düfte - Himmlische Lust": "Sandelholz wurde zum Symbol des lebenden Gottes schlechthin, was aus einer der zehn heiligen Anweisungen Buddhas hervorgeht - nämlich glänzend mit Sandelholz und Perlen zu sein".

Räuchermischungen für die Seele

Shiva

3 Teile Sandelholzpulver
1 Teil Patchouli
1 Teil Lemongrass
1 Teil Elemi
2 Teile Guggul

Guggul im Mörser zerkleiner, Elemi dazukneten, Patchouli, Lemongrass und Sandelholzpulver darübergeben, mischen und prisenweise verräuchern.

Die indische Götterwelt wird von drei Gottheiten präsentiert: Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma gilt als die Schöpferkraft, Vishnu als Bewahrer und Verwalter und Shiva als der Zerstörer der geltenden Ordnung. Es ist der kosmische Kreislauf des Werdens, Vergehens und der Wiedergeburt. So wird Shiva zu dem allmächtigen Gott, der nicht nur in ganze Kreisläufe, Zyklen, Kulturen und Völker einwirkt, sondern auch in jeden einzelnen Menschen. Dabei ist Shiva das Ende und der Anfang zugleich, der durch die Schöpferkraft Brahmas inspiriert wird.

Ebenso können wir mit Hilfe Shivas die Gegensätze in uns und um uns vor Augen führen. Denn er steht gleichzeitig für das Oben und Unten, das Davor und Danach, das Dunkle und Helle in uns, genauso wie das Böse und Gute in uns und in anderen Menschen. Er lässt uns in die Tiefen unserer Seele gleiten und die Weisheit und Gnade finden, die uns beflügelt und uns über uns hinauswachsen lässt. Shiva verdeutlicht die uralte Seelenreise des archetypischen Menschenbildes, der durch das tiefste Dunkel und Gefahren seine Abenteuer bestehen muss, um als weise Person ins Helle zu treten.

Die ausführliche Beschreibung unserer Räuchermischung “Shiva” lesen Sie hier!

 

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